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Debakel | Frustsaufen bei Toschi’s

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01.10.2021

Nicht notwendiger, aber möglicher Ausgangspunkt für eine kleine Reise in die CDU: Berlin, Leipziger Platz, Bundesgeschäftsstelle der Jungen Union, drei Tage vor der Wahl. Auf schwer plakatierten Straßen ringsum das klare Farbschema der SPD, der Begriff Respekt. Die Farbe der Grünen erklärt sich von selbst, Leitmotiv: Politik anders machen. Die FDP mit Weißflächen. Plakate der CDU weisen in alle Richtungen, ähneln farblich einem Günter-Jauch-Studiopublikum, irgendwas-irgendwas Stabilität, irgendwas-irgendwas Deutschland, gegen Rot-Rot-Grün. Wenn Sie auf den grundlegenden Begriff des Konservatismus schauen, was fällt Ihnen da ein, Nora Zabel?

Zabel, 25 Jahre und aus Mecklenburg-Vorpommern, schwarze Jeans mit Löchern am Knie zum schwarzen Oberteil, ist Teil von CDU connect, einer Brigade, die für die Partei soziale Medien bespielt. Gäbe es das Parteiamt der CDU-Influencerin, wäre sie eine logische Kandidatin. „Politischer Stil“, sagt Zabel, pustet durchs Pony, sei das. Die Regierungspraxis von Angela Merkel, kleine Schritte, nicht die große Lösung: „Dinge immer wieder neu zu überprüfen, Faktenlage anschauen, entscheiden. Nicht vorschnell Leute anprangern.“ Ist das Pragmatik? „Voll.“

Zusammengekocht kann man Zabel so verstehen, dass die CDU ein Problem hat, wenn sie vor allem Stammwähler anspricht, also ältere, sehr konservative Männer. Kurzer Blick in die Mitgliederstruktur: 73 Prozent Männer, 53 Prozent über sechzig Jahre. Die Union habe über Jahre verschlafen, Frauen zu fördern. „Wenn wir nach der Wahl die Frauenquote nicht durchbekommen, sehe ich schwarz.“ Die Partei soll diverser werden, neben Frauen auch „mehr Nichtakademiker und Menschen mit Migrationshintergrund. Sonst wird sie auf 20 Prozent abrutschen und bleiben.“

Wer die kleine Reise mit Auszügen aus der Geschichte konservativen Denkens würzt, findet, dass die Schwierigkeit, einen Kern zu benennen, die konservative Weltanschauung lange begleitet. „Richtigen ostelbischen........

© der Freitag


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