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Wenn Empörung den Blick verstellt

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06.10.2026

06. Oktober 2026 – 25. Tischri 5787

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Wenn Empörung den Blick verstellt

Wenn Empörung den Blick verstellt

Eine Replik an Wolf Biermann

Lieber Wolf Biermann, Ihre Stimme hat für mich Gewicht. Gerade deshalb enttäuschen mich Ihre jüngsten Aussagen über Israel. Von einem Mann, der ideologische Verblendung durchschaut und bekämpft hat, erwarte ich ein Urteil, das auch unter dem Eindruck erschütternder Bilder zwischen Empörung und Erkenntnis unterscheidet

Den Genozidvorwurf weisen Sie zurück. Das ist richtig und wichtig. Doch zugleich erklären Sie Israels Vorgehen pauschal zum Kriegsverbrechen und behaupten, die »schlimmsten und gefährlichsten Antisemiten« lebten »im Moment in Israel«. Diese Rangordnung verkennt, von wem die Bedrohung jüdischen Lebens ausgeht.Wo bleiben Hamas, Hisbollah und das iranische Regime? Wo bleiben diejenigen, die Juden auf deutschen Straßen und weltweit bedrohen und angreifen, Anschläge auf jüdische Einrichtungen verüben oder vorbereiten? Der massive Anstieg antisemitischer Vorfälle zeigt, wie konkret diese Gefahr ist. Juden erleben, wie alleine gelassen sie tatsächlich sind. Ausgerechnet Israels Regierungschef zu den gefährlichsten Antisemiten zu zählen, verschiebt den Blick von den Tätern auf den jüdischen Staat.

Wolf Biermann wirft Benjamin Netanjahu Antisemitismus vor

Der streitbare Liedermacher kritisiert die israelische Regierung scharf. Sie begehe in Gaza Kriegsverbrechen und verwandele Israel in einen »brutalen Unterdrückerstaat«

Netanjahu: »Es wird keine Hamas-Herrschaft geben«

Bei dem Gedenken der Opfer des Hamas-Massakers vor drei Jahren droht der Ministerpräsident den an dem Überfall beteiligten Terroristen

Israel nicht pauschal verurteilen

Netanjahu zu kritisieren, ist selbstverständlich legitim. Auch sein Festhalten an extremistischen Koalitionspartnern verdient entschiedenen Widerspruch. Doch weder seine Regierung noch einzelne Minister stehen für die gesamte israelische Gesellschaft. Ihre Enttäuschung über diese Regierung rechtfertigt es nicht, Israel pauschal als........

© Juedische Allgemeine