Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«
02. Oktober 2026 – 21. Tischri 5787
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Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«
In einem Interview spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land
02.10.2026 11:55 Uhr
Israels Staatspräsident Isaac Herzog hat sich besorgt über die politische Entwicklung in Berlin und insbesondere über den möglichen Einfluss israelfeindlicher und antisemitischer Positionen innerhalb der Linkspartei geäußert. In einem Interview mit Jan Philipp Burgard vom Axel Springer Global Reporters Network warnte Herzog davor, das Existenzrecht Israels infrage zu stellen. Zugleich betonte er sein Vertrauen in die demokratischen Institutionen Deutschlands und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Die Gespräche zwischen Linken, SPD und Grünen über eine mögliche Regierungsbildung in Berlin haben am Donnerstag begonnen. Dabei ging es zunächst ausdrücklich auch um den Umgang mit Antisemitismus. Die Linke war bei der Abgeordnetenhauswahl vom 20. September mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden und strebt gemeinsam mit SPD und Grünen eine Regierungsbildung an.
Burgard sprach Herzog auf die Sorge vieler Juden in Deutschland an. Innerhalb der Linkspartei gebe es führende Persönlichkeiten, die das Existenzrecht Israels bestritten oder Positionen vertreten hätten, die mit der Hamas in Verbindung gebracht würden. Herzog reagierte darauf mit ungewöhnlich deutlichen Worten: »Das ist äußerst verstörend und äußerst beunruhigend«, sagte der israelische Präsident. »Das Recht des jüdischen Volkes auf einen eigenen Nationalstaat und auf Selbstbestimmung steht außer Frage und kann von niemandem bestritten werden.«
Herzog wollte seine Kritik allerdings nicht auf eine einzelne deutsche Partei beschränken. Er verwies darauf, dass Israel jede Form von Antisemitismus mit großer Aufmerksamkeit verfolge. »Als Nationalstaat des jüdischen Volkes liegt es gewissermaßen in unserer DNA, gegenüber Antisemitismus besonders wachsam zu sein. Wir sind besorgt«, sagte er.
Auf die konkrete Entwicklung in Berlin angesprochen, sagte Herzog, er wolle nicht als israelisches Staatsoberhaupt aus der Ferne politische Urteile über eine deutsche Partei fällen. Stattdessen wolle er seine Sorge zum Ausdruck bringen und die jüdische Gemeinschaft in Deutschland unterstützen.
»Ich habe volles Vertrauen in das politische System und in den deutschen Bundespräsidenten, den ich außerordentlich schätze«, sagte Herzog. Er vertraue darauf, dass die deutsche Öffentlichkeit und die politische Führung die Bedeutung der Debatte über Antisemitismus und Israels Existenzrecht verstünden.
Herzog verband seine Warnung zugleich mit einer internationalen Dimension. Antisemitische Einstellungen seien nicht ausschließlich das Ergebnis innenpolitischer Entwicklungen. Vielmehr gebe es eine internationale Kampagne, an der nach seinen Worten unter anderem der Iran, die Hamas und deren Verbündete beteiligt seien. »Mit sehr viel Geld aus unterschiedlichsten Quellen« würden Menschen einer »Gehirnwäsche« unterzogen und weltweit Emotionen gegen Juden geschürt, sagte Herzog. Israel beobachte diese Entwicklung mit großer Sorge.
Herzog: Politik tut nicht genug gegen Gewalt israelischer........
