Oper Zürich: Die Zauberflöte im Zirkuszelt
Die Diskrepanz zwischen der göttlichen Musik Mozarts und der salbungsvollen Selbstherrlichkeit der intrigierenden Priesterzunft wird immer offenkundiger. Tamino und Papageno flachsen von „geschwätzigen Weibern mit Weibersinn“. Vom Hofe Sarastros wird geweissagt: „Ein Weib tut wenig, plaudert viel“ und „Bewahret euch vor Weibertücken.“ Und Sarastro, der Herrscher des Weisheitsreichs, lässt verlautbaren: „Ein Mann muss eure Herzen leiten, denn ohne ihn pflegt jedes Weib aus seinem Wirkungskreis zu schreiten.“ Diese Freimaurer-Symbolik aus dem Libretto Schikaneders ist nur noch schwer zu ertragen, aber sie wird uns immer wieder aufgetischt, denn am Heiligtum „Mozart forever“ darf kein Jota geändert werden. Ohne Unterordnung geht gar nichts, das muss die furiose Königin der Nacht erst recht zur Kenntnis nehmen.
Mit allen Wassern gewaschen
Demnach nichts als altmodische Rollenbilder, patriarchale Strukturen und problematische Stereotype? Ob der Regie führende Tausendsassa Daniele Finzi Pasca daran etwas ändern würde? Wer ihn engagiert, lädt auch die Crew der Compagnia Finzi Pasca, das Markenzeichen seiner verschworenen Seilschaft, mit ein. Der mit allen Wassern gewaschene Regisseur verklärt zwar die Vergangenheit und taucht sie in eine farbenfrohe, entrückte........
