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Gut, hat man Gottfried Keller im Jubiläumsjahr wiederbelebt

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19.07.2019

Nein, ganz vergessen war Gottfried Keller nie. Auch wenn man bei jedem Besuch in Antiquariaten mitleidig die mehrbändigen Staubfänger kurz mit einem Blick streifte. Kellers «Gesammelte Werke» standen jahrzehntelang sogar in jedem kleinbürgerlichen Schweizer Haushalt. Irgendwann wurden sie ins literarische Endlager entsorgt. Sie passen seit rund 50 Jahren nicht mehr zum literarischen Zeitgeschmack. Denn für viele meiner Generation beginnt die literarische Schweiz leider erst mit Max Frisch. Die Erinnerung ist deshalb unbarmherzig und trügerisch: Keller, das sind doch langfädig und behäbig erzählte Romane, getränkt mit märchenhaftem Moralismus. Geschichten aus dem 19. Jahrhundert, einer Epoche, fast so weit weg wie das Mittelalter. Vielleicht mag das überspitzt sein. Falsch ist es auf jeden Fall. Denn vor 1900 müsste man mindestens Ulrich Bräker, Jeremias Gotthelf und Gottfried Keller gelesen haben.

Aber erzwungene Schullektüre bleibt oft nicht frisch und frohgemut im Gedächtnis, auch wenn man bei «Romeo und Julia auf dem Dorfe» mitlitt........

© Luzerner Zeitung