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Ohne Anschluss

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14.03.2026

In der Ecke des Zimmers hängen bunte Ballons unter der Decke, durch die großen Fenster fällt helles Licht in die Wohnung. Im Eingang steht ein Rollstuhl. Galyna Oleksandrivna lebt hier mit ihrer 14-jährigen Tochter Polina in einem der vielen Hochhäuser auf der linken Seite des Flusses Dnipro, der sich durch die ukrainische Hauptstadt Kyjiw schlängelt. Das Treppenhaus des Gebäudes ist schmal. Der Aufzug auch. „Manchmal verlassen wir die Wohnung tagelang nicht, denn wenn wir keinen Strom haben, weiß ich nicht, wie ich Polina hoch- und runterbringen soll“, erzählt Oleksandrivna, während sie die Hand ihrer Tochter hält. 

Polina wurde mit einer Zerebralparese geboren, einer unheilbaren Bewegungsstörung. Sie kann sich alleine nicht bewegen und ist stumm. Selbst bei Bombardierungen verlassen Polina und ihre Mutter die Wohnung nicht. Die nächstgelegenen Bunker sind für Polina mit dem Rollstuhl nicht zugänglich. Ihre Mutter erzählt: „Ich nehme die Decken, hänge sie vor die Fenster und die Türen, und wir gehen in den Hausflur.“ Der hat keine Fenster und dient so immerhin als Schutz gegen Splitter. 

In diesem Winter hat die extreme Wetterlage mit zweistelligen Minusgraden alles noch komplizierter gemacht: Polina benötigt spezielle Therapien, die sie im Zentrum für komplexe Rehabilitation für Menschen mit Behinderungen bekommt. Das liegt zwar nur wenige Kilometer von ihrem Zuhause entfernt. Durch den Schnee, das festgefrorene Eis und die unebenen Straßen in ihrer Nachbarschaft glich der Weg selbst für Menschen ohne Behinderungen einem........

© Fluter