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"Ich bin Jude, und darauf bin ich stolz"

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31.08.2021

Die heurigen Salzburger Festspiele sind zu Ende. Noch bis November läuft im Jüdischen Museum Wien die Schau zum 100-jährigen Jubiläum, "Jedermanns Juden". Die Gründung der Festspiele wäre ohne jüdische Künstler und Mäzene nicht möglich gewesen. Überhaupt ist die Geschichte Österreichs aufs Engste mit jener seiner Juden verknüpft. Sie leisteten in Wissenschaft, Kunst, Kultur und Wirtschaft Enormes - die Industrialisierung der K.u.k.-Monarchie geht auf Juden zurück, insbesondere auf das Haus Rothschild, das bis heute für viele Österreicher ein Feindbild ist.

Es ist Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt zu danken, dass die Idee, Salzburg zum kulturellen Mittelpunkt Europas zu machen, verwirklicht wurde. Bereits davor gab es zahlreiche Initiativen, die Mozartstadt kommerziell und kulturell zu vermarkten. Diese waren frustran. Dazu sei gesagt, dass es Hermann Bahr war, der im Salon von Berta Zuckerkandl auf Reinhardt und Hofmannsthal einwirkte, ihre Idee zu verwirklichen. Reinhardt hatte bereits am 25. April 1917 eine Denkschrift zur Errichtung eines Festspielhauses in Hellbrunn für 3.000 bis 4.000 Besucher und einer damit verbundenen Hochschule für Bühnenkunst verfasst. Diese übergab Leopold Freiherr von Andrian-Werburg, Intendant des k.u.k. Hoftheaters sowie ein enger Freund Hofmannsthals und Bahrs, im August 1918 Kaiser Karl und erhielt dessen Zustimmung für die Gründung der Festspiele. Auch Hofmannsthal hatte eine Programmatik verfasst, in deren Zentrum die Idee eines europäischen Friedenswerkes, das von Salzburg ausging, stand.

Am 22. August 1920 war die Geburtsstunde der Salzburger Festspiele mit einer Aufführung des "Jedermann" - bearbeitet von Hofmannsthal und unter der Regie Reinhardts. Dieser wandelte das aus dem 16. Jahrhundert stammende englische Volksstück in ein katholisches Mysterienspiel als Allegorie christlichen Erlösungsgedankens. Der "Jedermann" war eine Notlösung, da Hofmannsthal das "große Welttheater" nicht rechtzeitig fertigstellen konnte. Erzbischof Ignaz Rieder, mit dem Reinhard befreundet war, stellte den Domplatz als Spielort zur Verfügung. Trotz aller Widerstände und antisemitischer Anfeindungen wurde Salzburg zu einem kulturellen Zentrum par excellence.

Reinhardt und Hofmannsthal hatten ihre Visionen verwirklicht, unterschätzten aber Vorurteile und Feindschaft der Salzburger Bevölkerung. Ein Strom internationaler Besucher kam zu den "Jedermann"-Freilichtaufführungen ins von Not und Wirtschaftskrise gezeichnete Österreich. Die autochthone Bevölkerung lehnte diesen jüdischen Tourismus ab, auch aus Missgunst und Neid auf den Lebensstil der jüdischen Hautevolee. Juden hatten in verschiedenen Urlaubsorten gegen große
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© Wiener Zeitung


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