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Ernährung beeinflusst Depressionen: „Wir können uns glücklich und depressiv essen“

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22.08.2026

Herr Riedl, Sie sind Ernährungsmediziner, haben den Spiegel-Bestseller das Psyche-Darm-Paradox geschrieben. Was hat Ernährung mit Depressionen zu tun?

MATTHIAS RIEDL: Unser Essen macht uns krank. Nicht nur das Herz-Kreislauf-System und bestimmte Krebsarten sind von Ernährung beeinflusst, sondern auch unsere psychische Verfassung. Was immer keiner hören will, aber eben auch eine gute Nachricht ist: Wir haben unser Schicksal zu einem nicht unerheblichen Teil selbst in der Hand.

Wie kann das sein, dass Ernährung auch die Psyche beeinflusst?

RIEDL: Im englischen gibt es bereits das Wort „Psychonutrition“, für eine recht neue Wissenschaft, die Erkenntnisse aus Ernährungswissenschaft, Psychologie, Neurowissenschaft und Psychiatrie verbindet. Die zwei wichtigsten Erkenntnisse: Es gibt eine direkte Verbindung vom Darm ins Gehirn, die sogenannte Darm-Hirn-Achse. Und darüber reguliert unser Darmmikrobiom, also die Vielfalt unserer guten Bakterien im Darm, nicht nur das Immunsystem und den Stoffwechsel, sondern auch unsere Stimmung und unser Verhalten.

Und was macht diese Verbindung genau?

RIEDL: Es handelt sich um eine Art Kommunikationsleitung. Der Darm signalisiert zum Beispiel „Hunger“ ans Gehirn und bringt uns zum Impulskauf einer Zimtschnecke. Er ist aber auch die Steuerzentrale, wenn es um die Ausschüttung von Hormonen und chemischen Botenstoffen (Neurotransmittern) geht und steuert so unsere Emotionen und unsere psychische Verfassung. Wenn wir uns schlecht fühlen, depressiv, verängstigt oder unausgeglichen sind, kann es also daran liegen, dass die falschen Bakterien in unserem Darm wüten und falsche Signale abfeuern.

Wie essen wir uns krank?

RIEDL: Kurz gesagt: Durch Fast-Food, Fertigprodukte, Zucker und tierische Fette. Aber es ist natürlich etwas komplexer…

RIEDL: Vielleicht genau da, wo bereits der Grundstein für falsche Ernährung gelegt wird: In der Kindheit. Kinder werden nicht nur schon im Mutterleib über das Fruchtwasser und später über die Muttermilch auf gewisse Geschmackspräferenzen geprägt. Sie lernen leider auch viel zu oft bereits im Kleinkindalter, dass Schokolade und der heiße Milchreis mit Kirschen von Oma Trost spenden.  Oder denken Sie an den Keks fürs weinende Kind. Das sehe ich nahezu........

© Südkurier