Ring frei für Kubicki: Wie gefährlich wird dieser Mann für den Kanzler?
Vor zwei Wochen etwa bekam Wolfgang Kubicki einen Anruf. „Hier ist der Eierarsch“, sagte die Stimme am anderen Ende der Leitung. Der Anrufer: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Kurz zuvor hatte er die FDP für tot erklärt. Wohl aus strategischen Überlegungen, die verbliebenen FDP-Wähler will man ja abholen, da kann der Tod nicht schnell genug eintreten, im Zweifel leistet der Kanzler da auch mal Sterbehilfe. Kubicki war erbost, eine „Frechheit“ sei das gewesen, und so sprach der FDP-Mann ebenso öffentlichkeitswirksam aus, was er sich in dem Moment dachte. Nämlich, dass der Kanzler ein „Eierarsch“ sei.
Inzwischen haben die beiden Politiker sich wohl vertragen. Kubicki und Merz kennen sich lange. Sie sind beide über 70, teilen eine wirtschaftsliberale Grundeinstellung, sie neigen zu spitzen Formulierungen und sie sind beide Mitglieder des Ritterkonvents des Aachener Karnevalsvereins. „Ich vermute mal, er rief an, um mir zu gratulieren“, sagt Kubicki im Gespräch mit unserer Redaktion. Gerade eben hatte Henning Höne, FDP-Chef in Nordrhein-Westfalen, seine Kandidatur um den Parteivorsitz zurückgezogen. Der Weg für Kubicki war frei.
Am Wochenende findet der Parteitag der FDP in Berlin statt
Nur war das vielleicht nicht der einzige Grund. „Ein bisschen auch, weil er die Witterung hat, dass es ernst werden könnte“, glaubt Kubicki. „Wir als Freie Demokraten sind ja momentan die größte Gefahr für die Union, weil wir mit unseren wirtschaftspolitischen Vorstellungen aus dem bürgerlichen Lager kommen.“ Die Kritik könne man dann nicht so einfach abtun wie bei der AfD, die man einfach als rechtsradikal abstempeln kann. „Vielleicht hatte er aber auch einfach mal wieder Lust, mit mir zu reden.“
Kubicki und seine FDP also die größte Gefahr für die Union. Echt jetzt? Eine Partei, die in Umfragen zuletzt zwischen drei und vier Prozent lag? Muss man die Drohung ernst nehmen? Oder ist das nur Medienspektakel, das letzte Aufbäumen einer Partei und ihres verwegensten Wahlkämpfers? Ein Mann, den seine Gegner einen Rechtspopulisten schimpfen und der sich selbst einmal als „Quartalsirren“ beschrieb.
Während der Kanzler in diesen Tagen in seine Heimat im Sauerland fährt und Gerüchte abwehren muss, dass er vielleicht gar nicht mehr lange Kanzler ist, bereitet sich der selbsternannte Quartalsirre auf den Parteitag der FDP vor. Am Wochenende soll er zum Vorsitzenden gewählt werden. Gegenkandidaten hat er keine mehr, doch die Delegierten muss er trotzdem überzeugen. Parteien, die ihren Chef mit annähernd 100 Prozent wählen, sind ihm zwar suspekt – aber über 70 Prozent wären Kubicki schon wichtig.
Das Pfingstwochenende hat er genutzt, um ein letztes Mal vor dem großen Tag zu entspannen. Auf seinem elf Meter langen Motorboot – der „Liberty“ – schipperte er von seinem........
