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Vatikan warnt vor „Gender-Ideologien“

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10.06.2019

Kaum sind die Debatten um Missbrauchsskandale abgeflaut, meldet sich der Vatikan mit einem neuen Vorstoß zum Sexualleben zu Wort - und rügt „Gender-Ideologien“.

Update vom 10. Juni 2019: Nach den Debatten über Missbrauchsfälle und das Zölibat in der katholischen Kirche (siehe unten) hat sich der Vatikan nun mit einer anders gearteten Stellungnahme zum Sexualleben der Menschen zu Wort gemeldet. In der Schrift mit dem Titel „Als Mann und Frau schuf er sie“, äußert sich der Heilige Stuhl zur Gender-Theorie - und rügt insbesondere „Gender-Ideologien“.

So heißt es etwa, es würden in vielen Fällen „angeblich neutrale“ Konzepte vermittelt, deren Menschenbild aber „dem Glauben“, „der lauteren Vernunft“ und „der Natur“ widerspreche. Abgelehnt wird auch die Vorstellung, dass Menschen ihr Geschlecht wählen oder ändern können.

„In einer solchen Sichtweise werden das Verständnis von sexueller Identität wie das von Familie 'verflüssigt' oder 'verwässert', wie dies auch für andere Aspekte postmoderner Kultur gilt“, schreibt die Katholische Bildungskongregation in der Stellungnahme, aus der unter anderem der Deutschlandfunk zitiert. Sie soll katholischen Lehrern, Eltern, Schülern sowie Geistlichen Orientierung und Hilfe beim Umgang mit dem Thema geben.

In Sachen Gefühlsleben und Sexualität herrsche ein „wahrhaftiger Bildungsnotstand“, schreiben die Verfasser in ihrer Einleitung. Beim Thema Gender gebe es ein hohes Risiko für Missverständnisse und „ideologische Konflikte“, erklärte zudem der Leiter der Kongregation, Giuseppe Versaldi, in einem begleitenden Artikel. Man wolle deshalb zum Dialog einladen.

Update vom 5. Juni 2019: Der Berliner Therapeut und Zölibatsberater Joachim Reich glaubt, dass sich 95 Prozent der Priester nicht lebenslang an den Zölibat halten. „Es gibt Priester, die im Urlaub ganz viel Sex haben und den Rest des Jahres zölibatär verbringen. Andere führen konsequent ein Doppelleben. Haben eine feste Beziehung, gehen gewohnheitsmäßig ins Bordell oder behelfen sich mit Pornos“, so Reich in einem Interview mit der „Welt“ (Artikel hinter Bezahlschranke).

Die katholische Kirche würde die Priester mit ihren Problemen alleine lassen, kritisiert Reich: Das Phänomen wird individualisiert, nach dem Motto: „Es ist dein Problem. Du hast dich dafür entschieden.“ Die Kirche lässt diese Menschen letztlich im Stich, und das fängt schon in der Priesterausbildung an: Zu mir kommen Priesterseminaristen, die darüber klagen, dass sie nicht wirklich und ernsthaft auf den Zölibat vorbereitet werden. Das entspricht der Logik der Kirche: Kleriker dürfen ohnehin keinen Sex haben, also müssen wir uns auch keine Gedanken über den Umgang mit Sex machen.“

Auf die Frage, ob der Zölibat mit den Missbrauchsfällen von Zusammenhang steht, antwortet Reich: „Es gibt in der Kirche – wie im Rest der Gesellschaft – eine sehr kleine Gruppe von Kernpädophilen. Und es gibt Geistliche, die sexuell unreif sind, weil sie teilweise unerfahren sind und unter dem Zölibat keine altersgerechte Sexualität entwickeln konnten. Wenn sexuell selbstunsichere Menschen in Kontakt mit Jugendlichen kommen, die genauso auf der Suche nach ihrer Sexualität sind, ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie Grenzen überschreiten.“

Update vom 31. Mai 2019: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat Verständnis für die große Enttäuschung vieler Menschen über das Handeln Verantwortlicher in der Kirche. Angesichts von Missbrauchskrise und sinkenden Mitgliederzahlen müsse die katholische Kirche Probleme „intensiv“ anpacken und sich zugleich auf den Kernauftrag besinnen, so der Erzbischof von München und Freising in einem Radiobeitrag, der an diesem Samstag im Bayerischen Rundfunk gesendet wird. „Kirche ist da, um von Gott zu reden, und zwar zu allen Menschen. Kirche ist nicht für sich selbst da, sondern für die Welt, für die Menschen in der Nähe und in der Ferne.“ Die Kirche habe viel Vertrauen verloren, ihr Ansehen habe stark gelitten.

Marx betonte das starke Engagement von Haupt- und Ehrenamtlichen wie Kirchenmusikern, Mesnern, Erziehern, Pflegekräften und Seelsorgern. Es sei bedauernswert, dass dieses Engagement oft in den Hintergrund gerate. Deshalb werde man auch „im geplanten Synodalen Weg gemeinsam überlegen, wozu die Kirche da ist und was wir überhaupt meinen, wenn wir von Kirche sprechen“, sagte der Erzbischof laut am Freitag verbreiteter Mitteilung weiter. Alle Menschen, die sich zu dieser Gemeinschaft bekennen, seien gleichermaßen Kirche. „Mir ist es wichtig, diese Perspektive wieder deutlicher zu machen. Dann können wir auch die konkreten Probleme besser angehen“, so Marx.

Bei Hannover beschäftigt der Missbrauchs-Skandal um einen Lehrer die Staatsanwaltschaft, wie nordbuzz.de* berichtet.

Update vom 29. April: Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hält sich eigenen Worten zufolge für mitschuldig an der Vertuschung von Missbrauchstaten in der katholischen Kirche. Der Umgang mit den Missbrauchsfällen sei sicher ein Beleg dafür, „dass die Institution Kirche an der eigenen Selbstfixierung leidet“, schrieb Hanke in einem Gastkommentar für die „Herder Korrespondenz“. Es habe ein Bewusstsein gefehlt, wie verheerend ein falscher Umgang mit den Tätern sein könne. „Ich spreche hier kein Schuldurteil über andere, ich schließe mich selber ein“, betonte Hanke.

„Die Vertuschung hat ihre Ursache in diesem geschlossenen Kreis, in dem die Selbstkritik keinen Platz hat.“ Es habe daher nach den Missbrauchstaten zu oft ein Inner-Circle-Denken geherrscht. „Nach dem Motto: Junge, Du........

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