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Entebbe und kein Ende

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01.07.2026

01. Juli 2026 – 16. Tamus 5786

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Entebbe und kein Ende

Entebbe und kein Ende

Der Historiker Jan Gerber zeigt in seinem neuen Buch, wie aus dem Antizionismus der 68er-Generation radikale antisemitische Praxis wurde

Genau ein halbes Jahrhundert ist es nun her, dass ein deutsch-palästinensisches Terrorkommando eine Air-France-Maschine auf ihrem Weg von Tel Aviv über Athen nach Paris kaperte und zum Weiterflug nach Uganda zwang, wo sie schließlich in Entebbe landete. Vor Ort trennten die Entführer die Passagiere in zwei Gruppen: Israelis und Nicht-Israelis. Dabei wurden auch Personen, die nicht im Besitz einer israelischen Staatsbürgerschaft waren, aber jüdisch klingende Namen hatten, der ersten Gruppe zugeordnet. Oder anders formuliert: Es handelte sich um die erste Selektion von Juden und Nichtjuden seit 1945 unter deutscher Beteiligung.

Als Yitzhak David, eine der Geiseln und Schoa-Überlebender, dem Entführer Wilfried Böse seine eintätowierte KZ-Häftlingsnummer am Unterarm zeigte und darauf hinwies, dass sich gerade etwas wiederholen würde, antwortete der 27-jährige Deutsche: »Ich bin kein Nazi! (…) Ich bin Idealist.« Mit dem Antisemitismus der Nationalsozialisten habe er nichts gemein.

Eine Vorgeschichte und ein Echo, das bis in die Gegenwart nachhallt

Dabei offenbarte er nicht nur sein eklatantes Unwissen über den Nationalsozialismus, dessen Vertreter von sich ebenfalls gern als »Idealisten« sprachen, sondern zeigte ein Argumentationsmuster, das einem nach dem 7. Oktober 2023 reichlich bekannt erscheint: Man selbst sieht sich als moralisch überlegen, woraus die Rechtfertigung abgeleitet wird, das Schlechte bekämpfen zu können – gemeint sind Juden, Zionisten und Israel.

Entebbe hat jedoch eine Vorgeschichte und ein Echo, das bis in die Gegenwart nachhallt. Beidem geht der Leipziger Historiker Jan Gerber in seinem aktuellen Buch auf den Grund. Denn was damals geschah, so seine These, war mehr als nur irgendeine Flugzeugentführung. Vielmehr kreuzten sich hier zahlreiche Entwicklungslinien innerhalb der deutschen Linken, die – um es höflich zu formulieren – auf ein problematisches Verhältnis zu Juden schließen lassen.

Der deutsche Terrorist Wilfried Böse........

© Juedische Allgemeine