»Frauen waren schon immer weise«
16. Juli 2026 – 2. Aw 5786
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»Frauen waren schon immer weise«
Seit vier Jahren leitet Rabbanit Yemima Mizrachi Seminare für die Frauen von europäischen Rabbinern. Und definiert damit die Rolle der Rebbetzin neu
Rabbanit Mizrachi, Sie kommen gerade von einem Ihrer Seminare in München zurück. Was muss eine moderne Rebbetzin heute können?Rabbiner können in ihrer Ausbildung auf eine reiche Tradition zurückgreifen. Für den Weg zur Rebbetzin hingegen hat es nie ein Handbuch gegeben. Jede Generation musste diese Rolle für sich selbst neu entdecken. Ich habe den Frauen in München gesagt, dass sie dieses Handbuch gerade jetzt selbst schreiben – und in vielen Fragen müssen sie erst einmal improvisieren. Sie schaffen etwas, das künftige Generationen übernehmen werden. Auch in Israel habe ich das in den vergangenen Jahren beobachtet: Besonders nach dem 7. Oktober 2023 gab es viele Rebbetzins, die sich ganz intuitiv eingebracht haben. Niemand hatte sie auf solche Situationen vorbereitet. Sie wussten einfach, was zu tun war.
Worin unterscheidet sich die Aufgabe einer Rebbetzin von der eines Rabbiners?Der Rabbiner lehrt und beantwortet in erster Linie halachische Fragen. Aber gerade bei persönlichen Themen fühlen sich viele Frauen sicherer, sich einer anderen Frau anzuvertrauen, die ihre Erfahrungen nachvollziehen kann. Im traditionellen Judentum bleibt das Religionsgesetz in der Verantwortung des Rabbiners. Doch nach der Halacha kommt das Leben selbst: Wie gestaltet man Beziehungen? Wie baut man ein Zuhause auf? Wie geht man mit Enttäuschungen um? In diesen Fragen bietet die Rebbetzin Rat, zeigt Lösungen auf, vermittelt. Das ist eine große emotionale Aufgabe, die die Frauen oft ganz allein stemmen. Rebbetzins teilen mit ihren Ehemännern aber nicht nur die spirituelle Verantwortung. In vielen kleinen europäischen Gemeinden übernehmen sie auch ganz praktische Aufgaben. Sie kochen jeden Schabbat für Dutzende von Menschen. Sie empfangen Gäste, organisieren, unterrichten. Es ist körperliche und geistige Arbeit zugleich. Aber ich möchte nicht nur über die Anstrengungen sprechen. Nach allem, was ich beobachte, sind diese Frauen sehr glücklich. Sie spüren, dass sie eine heilige Aufgabe erfüllen. Als ich sie alle zusammen in München sah, erfüllte mich das mit großer........
