Wenn das Extreme zur Normalität wird
Politik in Israel : Wenn das Extreme zur Normalität wird
Israel steht vor einer Schicksalswahl – und es wird mit fast allen Mitteln gekämpft. Dabei unterscheiden sich die Herausforderer nur graduell von Regierungschef Netanjahu.
Allen Massenprotesten, allen Kriegen und allen Zerwürfnissen zum Trotz: Benjamin Netanjahus Regierung hat geschafft, was in Israel seit 1988 keiner anderen gelang – eine ganze Legislaturperiode zu überstehen. Vor Kurzem verabschiedete die Knesset sich in die Sommerpause, in drei Monaten wird gewählt. Viele sprechen von einer Schicksalswahl, von einem Kampf um das Überleben Israels als – wenn auch mängelbehaftete – Demokratie. Der Staatspräsident sah sich schon jetzt veranlasst, daran zu erinnern, dass eine Wahl „kein Bürgerkrieg“ sei.
Dass das nicht übertrieben ist, zeigt ein Blick auf Schlagzeilen allein der vergangenen Wochen: Minister kündigen an, Entscheidungen des Obersten Gerichts zu missachten. Ein Koalitionsabgeordneter sagt in der Knesset, man solle einer Oppositionspolitikerin ins Bein schießen. Die Tür eines Fernsehsenders wird eingeworfen, eine Morddrohung hinterlassen. Ein Koalitionsabgeordneter legt nahe, die Journalisten hätten das selbst getan. In Tel Aviv attackieren Ultraorthodoxe einen Mann, der einen Hund spazieren führt. Und die Umweltministerin stuft den Artenschutz für Krokodile herunter, um dem........
