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Wer hat die Deutungshoheit über die Geschichte?

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30.01.2020

Der Kulturausschuss des Bundestages hat mit seiner Experten-Anhörung zu den Hohenzollern den Streit um die Forderungen der Erben Kaiser Wilhelms II. endlich dorthin getragen, wo er hingehört: in die Öffentlichkeit. Dabei geht es nicht nur darum, wie berechtigt deren Ansprüche sind und welche Zeugnisse vergangener Jahrhunderte und Kunstwerke in Museen und Schlösser dem Publikum zugängig bleiben.

Es geht auch um die Frage, wer die Deutungshoheit über die Geschichte behält oder erobert – die Nachfahren des letzten Monarchen oder demokratische Institutionen, die freie Wissenschaft und die Öffentlichkeit. Dass die Dynastenfamilie in diesem Kampf um Interpretation brachial vorgeht, zeigt ihr juristischer Feldzug gegen Historiker und Medien.

Auch ein Gerichtsurteil würde nichts ändern

Die Rolle des Bundestags in der Auseinandersetzung ist umstritten. Die Linkspartei fordert die Verhandlungen der Kulturstaatsministerin sowie der Länder Berlin und Brandenburg mit den Erben einzustellen, was eine Gerichtsentscheidung provozieren würde. Die Linke reinszeniert bis in die Wortwahl hinein die Frontstellung der Volksentscheide über die Fürstenentschädigung von 1926. Damals erlag die SPD der linken Agitation und beschädigte ihre Kompromissfähigkeit gegenüber bürgerlichen........

© Der Tagesspiegel