Der verdrängte Krieg
19. Februar 2026 – 2. Adar 5786
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Es gibt keine Alternative zur Unterstützung des angegriffenen Landes. Ansonsten könnte das Grauen näher rücken – auch bis zu uns nach Deutschland
Als im Mai 2022 die russische Armee die Stadt Mariupol erst dem Erdboden gleichmachte und dann besetzte, blieb eine Entscheidung fast unbemerkt: Die Besatzer stellten die Uhren um, und zwar auf Moskauer Zeit – genau wie in anderen besetzten Gebieten in Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson. Seitdem tickt die Stadt nicht mehr nach Kyjiwer, sondern nach Moskauer Zeit. Es ist ein Symbol der Unterwerfung. Schon die Wehrmacht hatte in Amsterdam und Paris die Zeit umgestellt, um Herrschaft zu markieren.
Auch heute bleibt es nicht bei der Uhrzeit: Ukrainische Sprache und Kultur werden unterdrückt, Lehrpläne ersetzt, die ukrainische Identität kriminalisiert. Wer an ihr festhält, riskiert Verfolgung, Haft und Folter. Während in den besetzten Gebieten Identität ausgelöscht werden soll, zerstört Russland landesweit die Lebensgrundlagen. Vier Jahre nach Beginn der Vollinvasion bombardiert es systematisch Kraftwerke, Umspannwerke und Stromleitungen. Bei Temperaturen von unter minus 20 Grad sitzen Menschen in Kyjiw, Charkiw oder Dnipro ohne Heizung, oft ohne Strom und Wasser in ihren Wohnungen – Familien mit Babys, alte Menschen, die nicht fliehen können.
Das nationalsozialistische Morden überlebt – doch die Folgen russischer Angriffe auf die Infrastruktur nicht
So wie die 90-jährige Holocaust-Überlebende Jewhenija Mychajliwna Besfamilna. Sie hatte das nationalsozialistische Morden überlebt – doch die Folgen russischer Angriffe auf die Infrastruktur nicht. Sie starb in ihrer ungeheizten Wohnung in Kyjiw. Offiziell lautete die Todesursache Herzinsuffizienz. Nach Angaben des Oberrabbiners der Ukraine hätten die russischen Angriffe sie jedoch »fertiggemacht«. Der Tod durch Erfrieren ist 2026 keine Metapher, sondern ganz real, und das mitten in Europa.
Solche Geschichten dringen kaum noch zu uns durch. Der Krieg wird........
