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Weniger Müll wäre mehr

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Mainzer Abfallkonzept : Weniger Müll wäre mehr

Beim Thema Verpackungsmüll sollte es darum gehen, weniger Abfall zu produzieren. Wer größere Tonnen zum Sammeln aufstellt, macht etwas falsch.

Die Wegwerfgesellschaft kann sich freuen. Denn in Mainz, wo der Verpackungsmüll aus Weißblech und Kunststoff bisher noch in Gelben Säcken gesammelt wird, sollen aus Gründen der Stadtbildpflege und der Sauberkeit künftig größere und stabile Tonnen zum Einsatz kommen. Ja, es ist ärgerlich, wenn die hauchdünnen Plastikbeutel mal wieder aufgeplatzt auf Straßen und Plätzen herumliegen. Wo sie nicht nur ein schlechtes Bild, sondern oftmals auch üble Gerüche abgeben. Die Überlegung, Joghurtbecher und Käsehüllen von 2027 an über eigens dafür an alle Haushalte auszugebende Gelbe Tonnen zu entsorgen, ist zwar nachvollziehbar – aber falsch.

Gegen die Gelben Tonnen spricht zum einen, dass bislang nicht geklärt werden konnte, wer die zu leerenden Tonnen von ihrem Standplatz aus an den Straßenrand und später wieder zurück aufs Grundstück bringen soll. Der teure Vollservice macht längst auch den für alle anderen Abfallarten zuständigen kommunalen Müllwerkern zu schaffen. Deshalb wurde – aber nur mit überschaubarem Erfolg – versucht, diese Aufgabe mittels finanzieller Boni-Systeme auf Hausbesitzer zu übertragen. Ohne eine ebenfalls  zusätzliche Entlohnung wird das von privaten Entsorgungsunternehmen kaum geleistet werden. Und die hochverschuldete Stadt kann nicht einfach einmal ein paar Euro für das 1990 eingeführte und deutschlandweit als „Grüner Punkt“ bekannte Duale System zur Sammlung, Sortierung und Verwertung von Verkaufsverpackungen drauflegen.

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Trotz hoher RecyclingQuoteMülltrennung allein reicht nicht

Die Entsorger beklagen zu Recht, dass der viele Platz, den Tonnen böten, zu vielen Fehlwürfen führe. Die Mülltrennung also schlechter funktioniere, wenn am Ende viel Restmüll zwischen dem Verpackungsmaterial sei. Zudem stellt sich die Frage, ob alle Wohnhäuser und -blocks über die erforderlichen Stellflächen für weitere Tonnen verfügen.

Größere Behälter müssten im Idealfall aber wenigstens nicht mehr alle 14 Tagen, sondern eventuell nur einmal im Monat geleert werden. Und gerade bei Verpackungsmüll gilt ja eigentlich eine einfache Regel: Weniger ist mehr! Jeder gekaufte Käse, der in Wachspapier eingewickelt ist, und jeder Joghurt, der im Mehrwegglas nach Hause getragen wird, sind deshalb ein Gewinn.

Markus SchugKorrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Rhein-Main-Süd.

Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Rhein-Main-Süd.


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