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Ausgewandert: In Israel wurde ich das erste Mal „Deutscher“ genannt

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21.06.2021

Berlin/ Tel Aviv - Mein Sohn Raphael wird bald Neun. Er ist ein kluger Bursche. Wirklich. Aber er ist auch frech. Und wie. Er liebt es mich auszulachen, wenn ich etwas auf Hebräisch nicht verstehe. Anfangs hat es ihn verwundert, dass er mir, seinem Vater, bestimmte Wörter erklären muss, die er im Unterricht durchnimmt, statt dass ich sie ihm erkläre. Doch er ist wie gesagt auch klug und versteht sehr wohl, warum es so ist wie es ist. Papa ist in seinen Augen nämlich kein richtiger Israeli, sondern eher ein Deutscher. Und deshalb kann er nun mal nicht alles auf Hebräisch wissen, wie er, ein achtjähriger Junge, der bald in die vierte Klasse aufsteigen wird.

So nennt der kleine Mann mich „Deutscher“ und ich kann mir das Lachen nicht verkneifen. Jedes Mal auf's Neue. Ich lache laut und aus vollem Herzen. Schließlich wurde ich während meiner 23 Jahre in Deutschland nicht ein einziges Mal „Deutscher“ genannt. Obwohl ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, das Abitur gemacht und an der Humboldt-, und Freien........

© Berliner Zeitung


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