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Liebe und Rechenbeispiele

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14.08.2026

„Sie nennen es Liebe, wir nennen es Arbeit“, schrieb die italienische Philosophin Silvia Federici im Jahr 1975.

Kennst du schon?: „Macht ist nie neutral“

„Kinderbetreuung ist für mich keine unbezahlte Arbeit“, sagte hingegen der österreichische Bundeskanzler Christian Stocker im Jahr 2026.

Ersteres lässt sich im Essay „Wages against Housework“ nachlesen, letztere Aussage fiel im Rahmen der Stocker’schen Sommertour, auf der er Bürger:innenanliegen sammelt, um sie im Herbst in die Regierungsarbeit einfließen zu lassen. Bürgeranliegen scheinen hierbei aber von größerem Interesse zu sein als Bürgerinnenanliegen – schließlich sind es die Bürgerinnen, die für den Großteil der Kinderbetreuungsnichtarbeit zuständig sind. Oder zuständig gemacht werden, weil die ihnen zugehörigen Bürger in Form von Ehemännern, Partnern und Vätern ihrer Kinder sich in aller Regel eher unzuständig fühlen. Die Bürger haben Wichtigeres zu tun als unbezahlte Arbeit – pardon, Liebe – sie haben keine Zeit dafür, sie müssen schließlich richtig arbeiten. Als Bundeskanzler zum Beispiel.

Das Ausmaß der Nichtarbeit

Tatsächlich leisten erwachsene Frauen unter 65 Jahren in Österreich im Durchschnitt vier Stunden und 19 Minuten unbezahlte Arbeit – pardon, keine Arbeit – pro Tag. Das sind pro Woche mehr als 30 Stunden keine Arbeit. Bei keiner Arbeit muss man nämlich anders als bei der richtigen Arbeit mal sieben rechnen, von der keinen Arbeit gibt es nämlich keine freien Tage. Bei Müttern sind es mehr als fünf Stunden pro Tag. In heterosexuellen Haushalten leisten Frauen auch dann etwa zwei Drittel der keine Arbeit, wenn sie........

© Wiener Zeitung