Was bedeutet die teure Softwarelösung im Rathaus für den Bürger?
Jüngst hat sich der Gemeinderat Wehr dafür ausgesprochen, den Mitarbeitern der Stadt und damit der Stadtverwaltung eine neue Software für mehr als 130.000 Euro im ersten Jahr zu genehmigen. Der Wunsch aber war außerplanmäßig und führte zu Nachfragen.
Stadt Wehr setzt auf Mietmodule bei Software
Seit 2010 arbeitet die Stadt Wehr mit der Software CIP. Deren Einführung sei damals sinnvoll gewesen, werde heute jedoch nicht mehr weiterentwickelt, erläuterte Nicole Herfert, stellvertretende Rechnungsamtsleiterin. Wie viele Unternehmen müsse auch die Stadt neue digitale Wege gehen: Statt komplette Software zu kaufen, sollen die in der Verwaltung genutzten Programme etwa für Finanzen und Gebäudemanagement künftig gemietet werden. Diese Mietmodullösungen sollen insgesamt deutlich günstiger sein.
Zudem werde cloudbasiert gearbeitet, sodass auch Außenstellen wie Bauhof und Liegenschaftsamt jederzeit unkompliziert auf die Serverdaten zugreifen können. Zu diesem Schritt habe der neue Digitalisierungsbeauftragte Patrik Weber beigetragen. Er will Medienbrüche zwischen Ämtern vermeiden, Verwaltungsprozesse digitalisieren und pro Jahr rund 10.000 bis 16.000 Blatt Papier einsparen. Unterstützung erhielt er von Bürgermeister Denis Schimak, der handgeschriebene Stundenzettel bei den Technischen Diensten als unnötigen Ressourcenverbrauch beobachtet habe.
Wasserzählerstand läuft in Schopfheim bereits digital
Scheinbar hinkt Wehr bei der Digitalisierung Jahre hinterher. In Städten wie Schopfheim und Waldshut soll schon mit der smarten Infomasoftware gearbeitet werden, hieß es in der Ratssitzung. Dort werde etwa die Wasserzählerstandsmessung bereits digital gemeldet. In Wehr müsse der gemeldete Bürger weiterhin Nachweise auf Papier bringen. So sei es beispielsweise bei einer Aktualisierung eines Kinderausweises geschehen, bei der die Geburtsurkunde nochmals vorzulegen ist, obwohl diese längst dem Amt vorliegen müsste. Wird das besser, wenn die E-Akte für alle kommt? Ab 1. Januar 2028 sollen in Wehr die digitalen Rechnungen kommen, die per App bezahlt werden können.
In der Ratssitzung fragte Stadtrat Matthias Jehle (AfD), wo die Daten der neuen Software der Firma Axians Infoma dann liegen. Er war beruhigt, dass die Server in Ulm stehen. Stadtrat Stefan Engel (Grüne) interessierte sich dafür, warum diese außerplanmäßigen Kosten jetzt sein müssten, da sie nicht im Haushaltsplan veranschlagt seien. Stefan Tussing (CDU) hingegen wollte nicht immer nur von Digitalisierung reden. Und Hanspeter Zimmermann (FDP) will, dass Wehr nicht stehen bleibt. Beide befürworteten die Neuanschaffung. Perspektivisch sei dies der richtige Weg. Nach Vorlage und Erläuterung des Beschlusses stimmten alle Räte dafür.
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