Menschen mit Behinderung wollen keinen Sonderstatus, sondern einfach dazugehören
Von außen klingt es wie ein gesellschaftlicher Konsens: Inklusion ist ein Menschenrecht. In der Praxis aber, so schildert es Corinna Kraft, Mutter eines Sohnes mit Downsyndrom, bleibt davon oft erstaunlich wenig übrig. „Menschen sind nicht behindert – sie werden be-hindert“, sagt sie. Ein Satz, der provoziert und zugleich den Kern einer Debatte trifft, die längst nicht abgeschlossen ist.
Ihr Sohn Johannes ist heute 23 Jahre alt. Die Diagnose bei der Geburt kam überraschend. Doch statt in Schockstarre zu verfallen, habe die Familie früh versucht, eine Haltung zu entwickeln: „Wir wollten verstehen, was kann er, wo sind seine Stärken, was braucht er, anstatt uns darauf zu fokussieren, woran es ihm fehlt.“ Ein Ansatz, der auf einem einfachen Prinzip basiert – Förderung statt Defizitblick. „Ein Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“, sagt die Mutter. Entwicklung brauche Zeit, Vertrauen und vor allem Akzeptanz.
Letztlich mehr Abgrenzung
Doch genau daran, so lautet Krafts Bilanz nach mehr als zwei Jahrzehnten, hapert es gesellschaftlich und strukturell zunehmend. Während Inklusion im Grundgesetz und in der UN-Behindertenrechtskonvention verankert ist, beobachtet sie in der Realität eine gegenteilige Bewegung: mehr Bürokratie, mehr Spezialisierung, mehr Abgrenzung. Ein Beispiel ist für sie der frühkindliche Bereich: „Johannes wurde recht selbstverständlich in den Regelkindergarten aufgenommen. Heute höre ich, Kinder sind oft nur dann da, wenn auch die Inklusionshilfe anwesend ist. Das ist keine Teilhabe, denn die Hilfe soll den Kontakt fördern,........
