menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Zwei Weltstars zu Gast im Konzil

18 0
20.04.2026

Endlich Frühling, endlich blüht es wieder rundum. Unter dem Motto „Flut der Gefühle“ präsentierte sich die Bodensee Philharmonie unter der Leitung von Chefdirigent Gabriel Venzago einmal mehr in Geberlaune. Hochkarätiges stand auf dem Programm. Zu Beginn musizierte man eines der bekanntesten Orchesterwerke von Ludwig van Beethoven, die „Egmont Ouvertüre“. Selbige diente als Schauspielmusik für Johann Wolfgang von Goethes gleichnamigem Trauerspiel. Zu Beginn im Rhythmus einer spanischen Sarabande, ging es im Hauptteil in ein Allegro, das Egmonts Liebe zu Klärchen thematisierte. Schließlich das triumphale Ende mit dem Tod des Helden unter der Guillotine. „Egmont“ fordert von Dirigent und Orchester großes Engagement, die komplexe Partitur wurde mit Bravour absolviert.

Im Anschluss das Highlight des Abends, das französisch-armenische Geschwisterpaar Chouchane und Astrig Siranossian (Violine und Cello) entpuppte sich als Weltklasse-Duo mit Johannes Brahms‘ Doppelkonzert für Violine und Violoncello. Zwei Instrumente, die hier klanglich perfekt zueinander finden, ungeheuer kraftvoll und virtuos, mit einer Leidenschaft, wie man sie selten zu sehen und zu hören bekommt. Das Konzert war eines der letzten Orchesterwerke von Brahms und wurde mit großem Erfolg uraufgeführt. Musikalische Meisterschaft verbindet sich mit einer persönlichen Geschichte der Versöhnung. Eine gewisse Klangschwere geht dabei einher mit spielerischer Leichtigkeit, die Solistinnen und das Orchester begegnen sich in einem genialen Zwiegespräch. Traumhaft schön das Vivace im dritten Satz, flott geht es daher, man möchte, dass die beiden Schwestern gar nicht mehr aufhören mit ihrem Spiel. Brahms hätte seine helle Freude gehabt, man kann sich förmlich vorstellen, wie er mit einem seligen Lächeln in seiner Gruft weilt.

Zu guter Letzt die „Frühlingssinfonie“ von Robert Schumann, ein Werk, das der Komponist in nur vier Wochen instrumentiert hatte. Die pure Lebensfreude, gepaart mit einer starken Melancholie, Schumann war depressiv, das weiß man aus den Überlieferungen. Seine Ehefrau Clara sagte über das Werk: „Höchst interessant, geistvoll, aber nirgends ein so frischer Zug wie in anderen Sachen.“ Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass Brahms und Clara Schumann ein inniges Verhältnis miteinander hatten, wie tief das ging, ist bis heute ungeklärt. Bei Schumanns jedenfalls gab es immer Differenzen ums liebe Geld, daher kann man die Lebensfreude des Werkes nicht hoch genug schätzen. Wieder einmal ein freudiger Abend. Beseelt verließen die Gäste das Konzil.

Johannes Fröhlich Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

Johannes Brahms Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

Doppelkonzert Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis


© Südkurier