Immer mehr psychische Diagnosen bei Kindern: Braucht es einen anderen Blick?
Fachleute sind sich uneinig, welche Rolle Bildschirmzeit bei auffälligem Verhalten von Kindern spielt.
Das Wohl unserer heranwachsenden Generation verdient unsere ganze Aufmerksamkeit. Das ist richtig, denn wir müssen sie ermutigen, ihr Leben aktiv zu gestalten und anstehende Aufgaben mit Zuversicht und altersgemässem Weitblick anzugehen. Zu denken gibt jedoch, dass sich die Zahl der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Unterstützung von der Invalidenversicherung erhalten, in den letzten Jahren massiv erhöht hat. Bereits Ende 2022 hatte das Bundesamt für Statistik bei Kindern und Jugendlichen einen beispiellosen Anstieg psychischer Störungen vermeldet. Sie waren die häufigste Ursache für stationäre Spitalaufenthalte von 10- bis 24-Jährigen – häufiger als Verletzungen, Unfälle oder körperliche Krankheiten.
In dieses Bild fügt sich ein, dass sich von 2015 bis 2025 die Zahl der Kinder mit einer Diagnose aus dem Autismusspektrum verdreifacht hat. Vor Kurzem kritisierte Autismuscoach Mirjam Schlesinger in einem Interview mit dieser Zeitung, die Diagnose werde zu häufig und auch dann gestellt, wenn gar keine neurologische Störung vorliege. Das besondere Verhalten eines Kindes könne zum Beispiel auf zu viel Bildschirmzeit zurückzuführen sein. Das Interview löste Reaktionen in der Fachwelt aus.
Interessant ist, dass Diskussionen zu diesem Thema stets vor dem Hintergrund eines bio-psychosozialen Menschenbildes geführt werden. Es stammt aus den USA und........
