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Tatort Scheunenviertel

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17.07.2026

17. Juli 2026 – 3. Aw 5786

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Tatort Scheunenviertel

Kleinkriminelle, Arbeiter und Ostjuden – der Historiker Dmitry Kudinov zeigt die bewegte Geschichte eines hippen Teils von Berlin, der vor rund 100 Jahren alles andere als gentrifiziert war

Wenn Dmitry Kudinov über die wechselvolle Geschichte Berlins referiert, tut er das mit ganzem Körpereinsatz. Er lacht, gestikuliert und zeigt auf Details an Hausfassaden, die man normalerweise übersehen würde. Dabei spricht er in ein kleines Mikrofon. Rasant serviert er historische Fakten, gewürzt mit witzigen Anekdoten, Mord und Totschlag inklusive. Das ist so spannend, dass seine Zuhörer fast vergessen, wie heiß es an diesem Sonntag ist.

35 Personen sind zu der Stadtführung mit dem Titel »Das kriminelle Berlin der goldenen 1920er-Jahre« erschienen. Viele Teilnehmende sind russischsprachig, manche von ihnen Flüchtlinge aus der Ukraine. Sie alle hören aufmerksam zu, wenn Dmitry Kudinov anfängt, über das Scheunenviertel zu erzählen. Der Kunsthistoriker hat die Stadtführung eigens für Mitglieder der jüdischen Gemeinde konzipiert.

In den 20er-Jahren war Berlin die drittgrößte Stadt der Welt

»Anstelle der sonst üblichen 30 Euro pro Kopf zahlen die Teilnehmenden heute nur fünf Euro, dank Unterstützung der Jüdischen Gemeinde Berlin«, sagt Svetlana Agronik. »Wir wollen möglichst viele Menschen für unsere Stadtführungen begeistern«, so die Organisatorin, die ursprünglich aus Moskau kommt. Das Projekt »Impuls« wurde von ihr 1997 ins Leben gerufen, um Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion besser mit ihrer neuen Heimat vertraut zu machen. »Unser Ziel ist, etwas zur Aufklärung und Integration unserer russischsprachigen Mitglieder beizutragen, dadurch lernen sie die jüdische Geschichte und Kultur besser kennen«, erklärt Agronik.

Für die kommenden zweieinhalb Stunden werden die Besucher in eine andere Welt entführt. In die Zeiten, die das sogenannte Scheunenviertel im heutigen Berlin-Mitte maßgeblich geprägt haben. Seine Gründung gehe auf eine Initiative des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg zurück, der im Jahr 1672 aus Brandschutzgründen anordnete, sämtliche Scheunen aus der dicht besiedelten Stadtmauer vor das Spandauer Tor zu verlegen. Zuvor hatten die Stroh- und Heuspeicher regelmäßig zu heftigen Bränden geführt, erklärt der Stadtführer.

Das Flair von »Babylon Berlin« ist bei der Tour zu........

© Juedische Allgemeine