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Mercedes ist typisch für den Kleinmut der deutschen Wirtschaft

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wenn es um die Innovations- und Wachstumsschwäche in Deutschland geht, ist man sich in den Kreisen der gehobenen privatwirtschaftlichen Funktionsträgerschaft schnell einig: Schuld hat der Staat. Die vielen Regeln, die hohen Steuern, die teure Energie. Macht ja alles keinen Spaß mehr hier.

Mag sein. Aber manchmal kann man auch am fehlenden Mut deutscher Konzerne verzweifeln. Aktuelles Beispiel: Mercedes. Der Erfinder des Automobils mit dem Anspruch auf immerwährende Technologieführerschaft besitzt zumindest in einem Teilbereich ebenjene: eine Straßenzulassung für ein Assistenzsystem auf Level-drei-Niveau. Das bedeutet: Die Person hinter dem Lenkrad kann ihre Aufmerksamkeit von der Straße abwenden und zum Beispiel lesen oder Filme schauen.

Bislang gibt es das System nur in der S-Klasse und ihrem Elektro-Pendant EQS und es funktioniert nur in bestimmten Situationen (maximal 95 Stundenkilometer, vorausfahrendes Fahrzeug). Aber immerhin.

Nun hat Handelsblatt-Reporter Michael Scheppe aus Konzernkreisen erfahren: In der überarbeiteten S-Klasse, die Mercedes Ende Januar vorstellen will, wird das Fahren auf Level drei nicht mehr angeboten. Mercedes-Softwarechef Magnus Östberg sagte dem Handelsblatt: „Die Nachfrage ist noch nicht da, wo wir sie gerne hätten.“

Stattdessen will sich der Dax-Konzern zunächst auf billigere automatisierte Fahrassistenten konzentrieren, bei denen der Fahrer jederzeit aufmerksam bleiben muss – mit der Option, diese später wieder auf Level drei anzuheben. Mal sehen, ob die........

© Handelsblatt