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Das Land der Schaffer macht seinem Namen im Wahlkampf alle Ehre

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17.02.2026

Wahlkampf: Auch Özdemir offen für längeres Arbeiten

Liebe Leserinnen und Leser,

im aktuellen Wahlkampf macht Baden-Württemberg seinem Ruf als Land der Schaffer alle Ehre. CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel hatte jüngst im Handelsblatt betont, dass er die Rente ab 70 in einigen Jahrzehnten für unausweichlich halte. Auch sein Gegenkandidat Cem Özdemir wirbt nun für ein flexibleres und im Zweifel höheres Renteneintrittsalter. „Starre Altersgrenzen sind sicherlich nicht mehr zeitgemäß“, sagte der Grünen-Politiker im Handelsblatt-Interview.

im aktuellen Wahlkampf macht Baden-Württemberg seinem Ruf als Land der Schaffer alle Ehre. CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel hatte jüngst im Handelsblatt betont, dass er die Rente ab 70 in einigen Jahrzehnten für unausweichlich halte. Auch sein Gegenkandidat Cem Özdemir wirbt nun für ein flexibleres und im Zweifel höheres Renteneintrittsalter. „Starre Altersgrenzen sind sicherlich nicht mehr zeitgemäß“, sagte der Grünen-Politiker im Handelsblatt-Interview.

Eine pauschale Anhebung des Eintrittsalters in die Rente über 67 Jahre hinaus lehnt Özdemir zwar ab. Konkret kann er sich aber vorstellen, den Rentenbeginn von der Berufsgruppe und den Beitragsjahren abhängig zu machen:

Kretschmann ist 77 Jahre alt und grüner Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Bei der Landtagswahl am 8. März will Özdemir sein Nachfolger werden. In Umfragen liegen die Grünen allerdings hinter der CDU.

Neben längerer Lebensarbeitszeit fordert Özdemir auch eine rasche Steuersenkung für Unternehmen:

Schwarz-Rot debattiert um Einkommensteuer

Die Koalition in Berlin ringt derzeit eher um eine Reform der Einkommensteuer. Wobei die passende Sport-Analogie wohl weniger Ringkampf wäre als vielmehr Spiegelfechten. Am Wochenende hatte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann eine Forderung seiner Partei aus der Schublade geholt und gefordert, den Spitzensteuersatz erst für höhere Einkommen ab 80.000 Euro greifen zu lassen. Derzeit liegt die Grenze bei knapp 70.000 Euro.

Die Reaktion aus der SPD folgte prompt: Das könne man machen – aber nur, wenn der Steuersatz für Besserverdiener von 42 auf 47 Prozent erhöht werde. Laut SPD würden bei ihrem Plan 95 Prozent der Steuerzahler entlastet. Teurer würde es für die oberen fünf Prozent, die ab einem Jahreseinkommen von circa 145.000 Euro beginnen.

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) kündigte gestern an, er werde noch in diesem Jahr Vorschläge für eine Entlastung vorlegen.

Der Streit um die Einkommensteuer begleitet das schwarz-rote Bündnis schon seit den Koalitionsverhandlungen. „Wir werden die Einkommensteuer für kleine und mittlere Einkommen zur Mitte der Legislatur senken“, heißt es bewusst vage im Koalitionsvertrag. Das öffentliche Wiederholen der Maximalforderungen darf daher getrost als Taktik gewertet werden, um den Preis für spätere Kompromisse hochzutreiben.

Preise in Deutschland steigen schneller

Steigende Spritpreise und ein Preissprung bei Nahrungsmitteln haben das Leben in Deutschland im Januar wieder stärker verteuert. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes lagen die Verbraucherpreise um 2,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Für Dezember war eine Inflationsrate von 1,8 Prozent errechnet worden. Heute veröffentlichen die Staats-Statistiker Details zur Teuerung im Januar.

Schon jetzt steht fest: Dienstleistungen bleiben auch im neuen Jahr ein Preistreiber. Hier schlägt sich die Verteuerung des Deutschlandtickets nieder. Zudem spüren Kunden in vielen Restaurants und Cafés nichts davon, dass zum Jahreswechsel die Mehrwertsteuer auf Speisen von 19 auf 7 Prozent gesenkt wurde.

Aus Sicht von Ökonominnen und Ökonomen spricht daher viel dafür, dass die Teuerungsrate im Gesamtjahr 2026 knapp über dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent liegen wird.

Ukrainische Ausbilder für die Bundeswehr

Die Bundeswehr soll Ausbilder aus der Ukraine bekommen. Dazu sei bereits am Freitag ein Abkommen zwischen Deutschland und der Ukraine geschlossen worden, sagte ein Bundeswehr-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur: „Es ist geplant, vor allem an den Truppenschulen des Heeres die Erfahrungen ukrainischer Soldatinnen und Soldaten in die Ausbildung im Heer einfließen zu lassen.“

So haben die ukrainischen Soldaten umfangreichere Erfahrungen beim Einsatz und der Bekämpfung von Drohnen. Das „Wall Street Journal“ hatte in der vergangenen Woche berichtet, dass 2025 bei einer Nato-Übung im Baltikum ein Team von etwa zehn eingeladenen Ukrainern innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Ziele ausgeschaltet habe. Ein Übungsteilnehmer sagte dem Blatt, die Einheit mit den Ukrainern habe „zwei Bataillone an einem Tag“ kampfunfähig gemacht. Der Nato-Seite sei es nicht gelungen, die gegnerischen Drohnenteams auszuschalten.

Mehr US-Truppen nach Nigeria

Die USA weiten ihren Militäreinsatz gegen Islamisten in Nigeria aus. Es seien etwa 100 US-Soldaten eingetroffen, um die örtlichen Streitkräfte auszubilden und zu beraten, sagte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums am Montag. Sie würden sich nicht an Kampfhandlungen beteiligen. Bislang unterstützte ein kleines US-Team die nigerianische Armee bei der Aufklärung.

Bahn-Sanierung verzögert sich

Das Ende der Bahn-Sanierung zwischen Hamburg und Berlin verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Aufgrund des Winterwetters in den vergangenen Wochen sei der Fertigstellungstermin Ende April nicht zu halten, teilte die Deutsche Bahn mit. Kernproblem sei der Kabeltiefbau für die Signalanlagen. Die Bahnstrecke Hamburg-Berlin ist seit Anfang August 2025 für die Sanierung gesperrt – zunächst war mit neun Monaten Bauzeit geplant worden. Aber dann kam halt das Winterwetter im Winter.

Offenbar sind die Baustellen der Bahn ähnlich verspätungsanfällig wie ihre Züge. Bleibt den wackeren Gleisbauern im märkischen Frost nur zu wünschen, dass sie in ihrem Arbeitsalltag wenigstens von ausgefallenen Dixi-Klos, defekten Kaffeemaschinen und umgekehrter Bagger-Reihung verschont bleiben.

Ich wünsche Ihnen einen Faschingsdienstag ohne Verspätung aus vorangegangener Fahrt.

PS: Meine Abschiedswoche als Autor des Handelsblatt Morning Briefing hat begonnen. Am kommenden Montag wird zum letzten Mal das Briefing von mir erscheinen. Danach übernimmt zunächst Teresa Stiens und dann mein Nachfolger Sven Prange. Falls diese Nachricht Sie überrascht: Hier finden Sie mehr zu den Hintergründen.

Ich habe lange überlegt, was in den rund vier Jahren, in denen ich den morgendlichen Weckdienst innehatte, eigentlich die Konstante war. Und bin schließlich auf den Tee gekommen, den ich beim Schreiben aus den immergleichen Bechern trinke. Als kleiner Abschieds-Countdown also hier Folge Eins von „The Mugs of Morning Briefing“.

The Mugs of Morning Briefing

Diesen Becher hat mir meine Kollegin Astrid Dörner aus New York mitgebracht, kurz nachdem ich neu beim Handelsblatt angefangen hatte. Donald Trump stand damals gerade im Vorwahlkampf und galt als ziemlich chancenlos. Ich habe mich sehr gefreut, weil ich dachte: Eine Tasse von dieser Witzfigur, das wird bestimmt in ein paar Jahren eine lustige Kuriosität sein.

Tja, so kann man sich täuschen.

Falls Sie es noch nicht getan haben, sollten Sie übrigens unbedingt Astrids tollen Podcast „Handelsblatt Invest“ anhören, in dem sie regelmäßig Wall-Street-Größen interviewt.


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