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Fête de la musique | Straßenmusik: Von Bänkelsängern bis Bob Dylan

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19.06.2022

Aufstand Während des Schlesischen Weberaufstands 1844 kam es zu Verhaftungen, als etwa 20 Personen vor dem Haus von Kaufleuten ein Spottlied sangen. Karl Marx schrieb im selben Jahr über „das Weberlied, diese kühne Parole des Kampfes“. In den 1960er, 1970er Jahren quäkt auf Europas Straßen Blowin’ in the wind (Onkel Willi), Dylans legendärer Protestsong. Es ist wieder eine Epoche, in der sich kritische Lieder in politische Botschaften verwandeln. Auslöser ist der Vietnamkrieg und die Folkwelle um Pete Seeger und Joan Baez. Jede Demonstration wurde von Agitprop-Balladen und der Klampfe begleitet. Parallel entstand in der DDR das politische Lied, im Rahmen der FDJ-Singebewegung, in der dann Pete Seegers progressive Lieder auf Deutsch adaptiert wurden. Auf den Straßen wurde Solidaritätsgeld gesammelt und in das runde Loch des Gitarrenkörpers geworfen. Die Hymne der französischen Rockband Zebda, Motivé!, hört man noch heute auf Pariser Protestdemos. Maxi Leinkauf

Bänkelsänger Heute erlebt man sie bestenfalls bei Mittelalterfesten oder im Theater. Was wäre die Dreigroschenoper von Bertolt Brecht und Kurt Weill ohne die Moritat von Mackie Messer. „Moritat“ kommt von „Mord“, man sollte sich gruseln, gern mit Bildmaterial und oft mit moralisierender Pointe. Unterhaltung zu Zeiten, als viele kaum lesen und schreiben konnten und an Rundfunk, gar Fernsehen nicht zu denken war. Da haben fahrende Sänger (auch Sängerinnen gab es) auf ihrem „Bänkel“ Nachrichten verbreitet, sie priesen illustrierte Druckwerke an und nahmen mitunter Missstände aufs Korn. In Letzterem sind sie die Vorläufer mancher zeitgemäßer Liedermacher: Franz Josef Degenhardt, Konstantin Wecker, Bettina Wegner, Wolf Biermann … Aber das sind keine Straßenmusikanten. Und auch das Publikum ist anders: eilig, gestresst. Irmtraud Gutschke

Fête On va à la fête sagten wir an diesem Sommertag, an einem 21. Juni. Es begann an der Ecke Saint-Michel, da wo sonst der Algerier saß und virtuos den venezianischen Walzer zupfte (wer in Paris auf der Straße spielen darf, muss vom Rathaus eine Lizenz bekommen), stand nun ein junges Streichorchester, très chic, und spielte Beethovens Ode an die Freude. Die Europahymne. In einem angesagteren Viertel saß Thomas Dutronc auf einem Klappstuhl und spielte auf der Gitarre die „Marseillaise“, im Django Reinhardt-Stil, begleitet von einem Kontrabass. Der Sohn der Chanson-Legenden Jacques Dutronc und Françoise Hardy, auf der Fête de la Musique, unter vielen Laien. Denn jeder kann bei diesem Musikfest auftreten, Amateur- und........

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