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Iranische Schauspielerin Taraneh Alidoosti: „Ich spiele nicht mehr mit Zwangs-Hijab“

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04.01.2026

Alidoosti sitzt vor der Kamera und spricht ruhig, präzise und manchmal angespannt. Man meint, ihr die Haft anzusehen, ihre Erkrankung, überhaupt die Monate des Rückzugs. Aber sie hat trotz alledem weder ihr Lachen noch die Lebensfreude verloren, jenes Funkeln in den Augen, das sie seit Jahrzehnten zur Ikone des iranischen Kinos macht. Was sie in der BBC sagt, geht über ein klassisches Interview hinaus. Es ist ein politisch-cineastisches Manifest.

Ausgangspunkt des Gesprächs ist die Frau-Leben-Freiheit-Bewegung von 2022. Nachdem die iranische Kurdin Jina Mahsa Amini in Gewahrsam der Sittenpolizei verstarb, die sie wegen ihres falsch sitzenden Kopftuches aufgegriffen hatte, erlebte der Iran unter der Herrschaft der islamischen Republik die größte und radikalste Protestbewegung seiner Geschichte. Für Alidoosti war das kein punktueller Aufstand, kein bloßer Protest gegen die Kopftuchpflicht, sondern eine Revolution. Der Tod von Mahsa Amini habe die Gesellschaft aus einem kollektiven Verdrängungszustand gerissen. „Es war, als hätte man der Gesellschaft einen Schlag ins Gesicht versetzt: Wach auf, dieses Problem kostet Menschenleben.

Bemerkenswert ist die analytische Klarheit, mit der Alidoosti im Interview diese Bewegung beschreibt. Der Hijab steht im Zentrum – als Symbol patriarchaler und staatlicher Gewalt –, aber er bleibt nicht das einzige Thema. „Unter dem Vorwand dieses Vorfalls konnten die Menschen auch viele andere Dinge nicht mehr akzeptieren.“ Die Bewegung verband eine Vielzahl von sozialen, politischen, ethnischen und generationellen Konflikten. Der Gegner war klar benannt: die Islamische Republik. Ihr Schluss: „Was sind das für Forderungen, die alle teilen? Das ist eine Revolution.“

Diese Revolution stellte auch für Alidoosti eine Frage:Was tun? Welche Rolle kann – oder muss – man spielen? Sie lud damals ein Foto von sich in den sozialen Medien hoch. Auf ihm sieht man Alidoosti ohne Hijab, aber mit einem Schild: Jin, Jiyan, Azadi – die kurdischen Worte für Frau, Leben, Freiheit. Heute blickt sie nüchtern und selbstkritisch auf dieses Statement. Ein Instagram-Post aus dem eigenen Wohnzimmer heraus sei nicht mit dem Risiko vergleichbar, auf der Straße zu........

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