„Meeting Götz“: Wie ein Dokumentarfilm das linke Milieu zerreißt
Darf man mit Rechten reden? Die Frage ist nicht neu. Aber selten wird sie so konkret gestellt wie im Film „Meeting Götz“. In einem Grazer Kinosaal, in dem der Dokumentarfilm im Zuge des Festivals Diagonale, dem wichtigsten Filmfestival Österreichs, ausgestrahlt wird, ist die Antwort scheinbar schnell gefunden. Applaus ertönt, sobald der Film kritisiert wird. Wer den Film verteidigt, erntet Kopfschütteln.
Vorne, unterhalb der Leinwand, stehen Gregor Centner und Birgit Bergmann. Sechs Jahre lang haben die beiden Filmemacher, die sich selbst im politisch linken Spektrum verorten, an diesem Projekt gearbeitet. Über siebzig Monate haben sie Götz Kubitschek, „den zentralen Ideologen der Neuen Rechten“, dessen Verlag Antaios vom Verfassungsschutz als rechtextrem eingestuft wird, immer wieder getroffen.
Die Konfliktlinie verläuft mitten durch das linke Milieu
Jetzt stehen sie im proppevollen Kinosaal. Ruhig, fast regungslos hören sie zu, wie ihr Film zerlegt wird. Immer wieder setzen sie an, um auf die Zuschauerfragen zu antworten. Mehrfach werden sie lautstark unterbrochen. Was hier passiert, ist keine Diskussion im klassischen Sinne. Es ist ein Tribunal, das sich langsam aufbaut. Und mittendrin ein Film, der genau das versucht hat, was an diesem Nachmittag offenbar nicht mehr möglich ist: ein Gespräch.
„Meeting Götz“ ist ein Experiment. Eines, das nicht nur viel Zeit gekostet hat, sondern auch etwas darüber erzählt, wie eine Gesellschaft mit dem Versuch umgeht, durch ihre Blasen hindurch ins Gespräch zu kommen. Was als Annäherung beginnt, wird zur Projektionsfläche – für Erwartungen, für Ängste und für die Frage, wie schnell Gesprächsbereitschaft zur sozialen Ächtung führen kann.
In Graz prallen nicht einfach linke und rechte Positionen aufeinander. Die Konfliktlinie verläuft mitten durch das linke Milieu selbst, das sich in der Frage, ob man mit Rechten reden darf, uneins ist.
Der Film beginnt auf Distanz. Eine Stimme ist zu hören. Leicht verzerrt, fast brüchig. Sie kommt von einem Tonbandgerät. Gregor Centner ist sicht- und hörbar. Er hat Götz Kubitschek nicht angerufen. Er hat sich ein Diktiergerät besorgt, eine Kassette eingelegt, dem rechten Verleger seine Idee geschildert und die Tonaufnahme per Post verschickt.
Was diesen ersten Kontakt besonders macht: Centner kontaktiert hier keinen Fremden. Die beiden kennen sich. Sie sind beide in Ravensburg aufgewachsen, nur ein paar Häuser voneinander entfernt, und gingen auf dieselbe Schule.
Die Kinoleinwand wird schwarz. Die Stimme verstummt. Schnitt: Das Paket liegt auf einem Tisch, es wird geöffnet. Hände greifen hinein, holen das Gerät heraus. Dann ist eine dunkle, reibeisige Stimme zu hören. Kubitschek antwortet.
Zwischen diesen ersten Momenten der Annäherung setzt der Film immer wieder Schnitte. Keine spektakulären Bilder, keine dramatischen Szenen. Stattdessen ist eine Landstraße zu sehen, gesäumt von Bäumen. Vögel zwitschern im Hintergrund, und plötzlich erscheinen Buchstaben auf der Leinwand. Aus ihnen werden Wörter, dann Sätze. Eine Frauenstimme erklingt – ruhig, beinahe nüchtern. Sie liest Passagen aus Texten von Götz Kubitschek. Sätze, die in ihrer Struktur durchdacht sind, strategisch wirken. Teilweise kühl. Teilweise zugespitzt. Gedanken, die nicht im Gespräch entstehen, sondern formuliert wurden, um zu wirken.
Diese Passagen markieren einen Bruch und fungieren gleichzeitig als Spiegelung. Das Gesagte und das Geschriebene stehen nebeneinander. Der Mensch, der vor der Kamera sitzt, und der Autor, der Begriffe prägt. Zwei Ebenen, die sich nicht widersprechen müssen, aber auch nicht deckungsgleich sind.
Der Film zwingt diese Ebenen nicht zusammen. Er legt sie nebeneinander. Und überlässt es dem Zuschauer, die Verbindung herzustellen.
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Im Kinosaal in Graz wird genau dieses Stilmittel zum Streitpunkt. „Ich kenne deutlich schärfere Aussagen von Kubitschek, die hier nicht auftauchen“, sagt eine Zuschauerin während der Diskussionsrunde im Anschluss. Der Vorwurf: Der Film wähle aus und diese Auswahl sei nicht neutral.
Was zu sehen ist, wirkt auf viele im Saal kontrolliert und ruhig, beinahe zugänglich. Ein Gesprächspartner, der erklärt, einordnet, reflektiert. Ein Mann, der sich Zeit nimmt, seine Gedanken zu formulieren. Was fehlt, so die Kritik, ist die Radikalität, für die Kubitschek außerhalb dieses Films steht. „Stattdessen wirkt vieles weichgezeichnet.“ Ein Wort, das an diesem Abend mehrfach fällt.
Gemeint ist nicht nur die Bildsprache, sondern die Wirkung des gesamten Films. Der Eindruck, dass hier jemand nicht in seiner ganzen ideologischen Schärfe erscheint, sondern in einer Form, die anschlussfähig wirkt. Zu anschlussfähig.
„Begriffe wie ‚Remigration‘ beinhalten letztlich Vorstellungen von erzwungener Umsiedlung, sprich Gewalt.........
