Feel the Rush: Warum uns Musik in Stimmung bringt
Ohne Shaggy geht bei mir beim Spinning nichts. Sobald „Feel the Rush“ läuft, trete ich, als müsste ich Österreich doch noch zum Europameistertitel 2008 führen. Der Song war nämlich einer der Maskottchen-Songs der Fußball-Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz. Was eine Fußball-Hymne mit Spinning zu tun hat? Keine Ahnung, aber sobald der Song beginnt, schaltet mein Körper automatisch auf Spinning-Modus.
Mehr für dich: Bikini oder Badeanzug: Mehr als nur eine Stofffrage
Natürlich verbessert Shaggy meine Kondition nicht. Er übernimmt auch nicht die letzten fünf Minuten für mich. Trotzdem verändert der Song, wie sich die Anstrengung anfühlt. Ohne Musik strample ich schwitzend auf einem Fahrrad, das keinen Zentimeter weiterkommt. Mit Musik befinde ich mich in einer dramatischen Trainingsmontage. Die Spinning-Einheit ist deshalb nicht leichter geworden, aber sie hat einen brauchbaren Soundtrack.
Die Playlist für jedes Gefühl
Wir hören Musik zum Aufstehen, Einschlafen, Arbeiten, Putzen, Laufen, Feiern und Heulen. Manche Menschen besitzen eine Playlist namens „Fokus“, andere eine namens „Main Character Energy“ und wieder andere eine, deren Titel nur aus dem Vornamen einer Person und einem Totenkopf besteht.
Wir sprechen dabei gern von Musikgeschmack. Oft geht es aber gar nicht nur darum, was uns gefällt. Es geht darum, was wir gerade brauchen: Ruhe, Antrieb, Trost, Ablenkung.
Die Wissenschaft spricht von Emotionsregulation: Beim Musikhören sind nicht nur jene Bereiche des Gehirns beschäftigt, die Töne, Rhythmen und Harmonien verarbeiten. Auch Regionen, die mit Erinnerungen, Bewegung, Emotionen und Belohnung zu tun haben, werden aktiv. Musik kann beruhigen, motivieren, aufmuntern und dabei helfen, negative Gedankenschleifen zu unterbrechen.
Wir hören Musik also nicht bloß, wir setzen sie ein.
Das klingt ein bisschen so, als würden wir uns selbst therapieren. Der Gedanke passt gut in eine Gegenwart, in der ohnehin fast alles........
