menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Einigkeit und Recht und „Sassonia“

19 0
28.09.2026

F ür meinen Geburtstag habe ich mir ein Ritual ausgedacht, damit der freie Tag nicht zu Hause zerfranst. Ich fahre mit Rad und S-Bahn in ein Waldstück am Wannsee. Ich denke dort an meinen Vater, der mich in dieser Jahreszeit im Dunklen weckte und mit mir in sein Pilzrevier fuhr. Wenn ich zu sentimental werde, fahre ich weiter, springe ins eiskalte Wasser eines kleinen Moorsees und lasse mich auf der wochentags verwaisten Wiese von der Sonne trocknen.

Heute ist alles anders. Mein ältester Sohn ist spontan mitgekommen. Wir finden keinen einzigen Pilz. Ich denke nicht an meinen Vater, und ich werde nicht sentimental. Das Wasser ist noch warm, und als ich rauskomme, regnet es. Die Form des Rituals hat sich bewährt, aber der Inhalt ist ganz anders. Das Ritual verträgt das, ermöglicht das erst – ohne es würde ich allein auf dem Sofa vor mich hingammeln.

Zwei Wochen........

© taz.de