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Dialektik im Weltall

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07.07.2026

David Ernesto García Doell

Warum Andor (2022-2025) mit dem bürgerlichen Märchen bricht, den Blick auf die unterdrückte Klasse lenkt und dabei das wahrscheinlich beste Star Wars aller Zeiten ist.

Das Subjekt historischer Erkenntnis ist die kämpfende, unterdrückte Klasse selbst. Bei Marx tritt sie als die letzte geknechtete, als die rächende Klasse auf, die das Werk der Befreiung im Namen von Generationen Geschlagener zu Ende führt. Dieses Bewußtsein, das für kurze Zeit im ›Spartacus‹ noch einmal zur Geltung gekommen ist, war der Sozialdemokratie von jeher anstößig. Im Lauf von drei Jahrzehnten gelang es ihr, den Namen eines Blanqui fast auszulöschen, dessen Erzklang das vorige Jahrhundert erschüttert hat. Sie gefiel sich darin, der Arbeiterklasse die Rolle einer ErlöserinkünftigerGenerationen zuzuspielen. Sie durchschnitt ihr damit die Sehne der besten Kraft. Die Klasse verlernte in dieser Schule gleich sehr den Haß wie den Opferwillen. Denn beide nähren sich an dem Bild der geknechteten Vorfahren, nicht am Ideal der befreiten Enkel. Walter Benjamin, Über den Begriff der Geschichte (These XII) 

Das Subjekt historischer Erkenntnis ist die kämpfende, unterdrückte Klasse selbst. Bei Marx tritt sie als die letzte geknechtete, als die rächende Klasse auf, die das Werk der Befreiung im Namen von Generationen Geschlagener zu Ende führt. Dieses Bewußtsein, das für kurze Zeit im ›Spartacus‹ noch einmal zur Geltung gekommen ist, war der Sozialdemokratie von jeher anstößig. Im Lauf von drei Jahrzehnten gelang es ihr, den Namen eines Blanqui fast auszulöschen, dessen Erzklang das vorige Jahrhundert erschüttert hat. Sie gefiel sich darin, der Arbeiterklasse die Rolle einer ErlöserinkünftigerGenerationen zuzuspielen. Sie durchschnitt ihr damit die Sehne der besten Kraft. Die Klasse verlernte in dieser Schule gleich sehr den Haß wie den Opferwillen. Denn beide nähren sich an dem Bild der geknechteten Vorfahren, nicht am Ideal der befreiten Enkel.

Während Rogue One (2016) zweifellos einige stilistische Schwächen hatte, war er der beste Star Wars-Film der letzten 20 Jahre. Die Sequel-Trilogie Episoden VII–IX (2015-2019) waren eigentlich nur noch redundanter, kulturindustrieller Flickenteppich, der die ursprüngliche Trilogie recycelte: das Imperium hieß jetzt erste Ordnung und der Todesstern war jetzt größer. Der Disney-Konzern, der die Franchise-Rechte von George Lucas für vier Milliarden Dollar gekauft hatte, wollte seine Investition schnellstmöglich in Profite verwandeln. Dafür war Disneys Strategie einfach, unsere Nostalgie zu kolonisieren und zu monetarisieren, indem altbekannte Versatzstücke neu aufgewärmt werden. Ein Thema gab es dort kaum mehr. 

Dass Disney jetzt mit Andor aber eine mutige und ganz eigenwillige Serie geschaffen hat, ist erstaunlich. Andor ist das Prequel zu Rogue One und gleichzeitig dessen thematische Weiterentwicklung. Hier geht es um das ultimative Opfer unzähliger einfacher Arbeiter:innen, die das Fundament legten, lange bevor glorreiche Helden wie Luke, Leia und Han das Universum in Episode VI retteten. Wo Rogue One zum Teil die Charaktere nicht richtig entwickeln konnte und der Plot überstürzt wirkte, ist in Andor jetzt eine stimmige Erzählung der subalternen Klassen entstanden. Es ist der beste Star Wars-Content, der wahrscheinlich jemals produziert wurde, auf jeden Fall im 21. Jahrhundert.

Das Worldbuilding von Andor ist faszinierend, fast jede Nebenfigur wirkt........

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