Zwischen Witz und Wut
Am Ende sah er keinen anderen Ausweg mehr: »Ich kann dieses entehrende Urteil nicht weiter ertragen.« Philipp Auerbach (1906–1952), Sohn eines Hamburger Kaufmanns, hatte mehrere Lager überlebt; die U.S. Army befreite ihn in Buchenwald. Als bayerischer Staatskommissar für rassisch, religiös und politisch Verfolgte wurde er von 1946 an zum Helfer anderer Überlebender, entwickelte Konzepte zur Wiedergutmachung, schuftete für die Zukunft jüdischen Lebens im Land der Täter.
Vergeblich: In einem Strafprozess mit deutlichen antisemitischen Untertönen musste sich Auerbach 1952 unter anderem wegen angeblicher Untreue und unbefugter Führung eines akademischen Grades vor einstigen Nazi-Richtern verantworten und wurde zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. Das war mehr, als er ertragen konnte. Er nahm sich das Leben. Zwar wurde der im Wesentlichen Unschuldige zwei Jahre nach seinem Suizid rehabilitiert. Trotzdem wurde er vergessen.
Avishai Milstein hat Philipp Auerbach jetzt zurück ins Bewusstsein und........
