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Wiederauferstehung in Venedig

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»Alle Städte sind gleich, nur Venedig is e bissele anders«, befand einst Friedrich Torbergs Tante Jolesch. Nicht nur »e bis­sele«, sondern sehr anders ist Venedig im Januar. Die salzige Feuchtigkeit mit dem leichten Duft nach Seetang durchdringt alle Schichten modern abgesteppter Funktionskleidung. Dazu streicht ein scharfer Wind über die Lagune. Die Serenissima gehört jetzt den Venezianern und unerschrockenen Venedig-Liebhabern wie mir. Jedes Jahr verbringe ich hier eine heitere Winterwoche, denn man kann sich glücklich frieren im unbeweglichen venezianischen Nebel. So hatte einst Joseph Brodsky die Stimmung beschrieben.

Eine Reinkarnation dieses verehrten russisch-jüdischen Dichters und Nobelpreisträgers suche ich schon länger in Venedig und habe diesmal Glück. Im ehemaligen Ghetto. Dort wärme ich mich in der Buchhandlung von Beatrice auf und entdecke erstmals........

© Juedische Allgemeine