Ende einer Rückkehr
Vor zehn Jahren machten Spanien und Portugal den Nachfahren von Juden, die vor einem halben Jahrtausend unter dem Alhambra-Edikt der katholischen Herrscher Isabella von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón von der Iberischen Halbinsel vertrieben worden waren, ein Angebot. Sie sollten als Wiedergutmachung für das Unrecht, das ihre Familien erlitten hatten – Konversion oder Tod und die Verfolgung durch die berüchtigte Inquisition –, in den Genuss von portugiesischen oder spanischen Pässen gelangen.
Doch nun hat die konservative Lissaboner Minderheitsregierung von Ministerpräsident Luís Montenegro entschieden, dieses Privileg abzuschaffen. Sehr zum Leidwesen vieler Sefarden, die jetzt keine Möglichkeit mehr haben, auf vereinfachte Weise in das Land ihrer Väter zurückzukehren beziehungsweise an einen europäischen Pass zu kommen.
Für manche wurden Spanien und Portugal zum Fluchtpunkt und sicheren Hafen.
Hintergrund der Kehrtwende ist eine Neuausrichtung der portugiesischen Migrationspolitik. Montenegro, der bislang einen ausgesprochen liberalen Kurs in Sachen Einwanderung verfolgt hatte, beschloss mit Unterstützung von drei rechtsgerichteten Parteien ein Paket von gesetzlichen Maßnahmen, das zu den restriktivsten in ganz Europa zählt. In diesem Zusammenhang wurde auch die Sonderregelung für ein Rückkehrrecht sefardischer Juden gänzlich gestrichen.
Als Begründung wurde angeführt, dass es zu Unregelmäßigkeiten und Missbrauch gekommen sei. Eine juristische Aufarbeitung sei angestoßen worden. Ganz offensichtlich zielen diese Anschuldigungen auf einen bestimmten Personenkreis, nämlich auf russische Oligarchen mit jüdischen Wurzeln, wie etwa den milliardenschweren Unternehmer Roman Abramowich. Auch der hatte sich um die portugiesische Staatsbürgerschaft beworben und sie........
