Dem Recht vertrauen
23. Juli 2026 – 9. Aw 5786
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Ohne einen unabhängigen Obersten Gerichtshof ist nicht nur Israels Demokratie, sondern der jüdische Staat selbst in Gefahr
Das Oberste Gericht in Israel ist Türwächter und Verteidiger des jüdischen und demokratischen Staates – inmitten von Jerusalem in einem architektonisch wunderbaren Bau. Dennoch hat Israel bis heute (noch) keine geschriebene Verfassung. Stattdessen bilden die Chukei HaJesod, die »Grundgesetze«, den verfassungsähnlichen Rahmen des Staates. Ihre Einhaltung überwachen die »Wächter der Schwelle«, zu denen neben dem Obersten Gerichtshof auch die Generalstaatsanwaltschaft, der Staatskontrolleur und die unabhängige Militärjustiz gehören.
Kaum ein biblischer Vers beschreibt die Bedeutung der Justiz treffender als Jeschajahu 1,27: »Zion wird durch Recht erlöst werden.« Der Prophet kritisiert Korruption und Machtmissbrauch und verkündet, dass Erlösung nicht durch militärische Stärke, sondern durch Mischpat (Recht) und Zedaka (Gerechtigkeit) entsteht. Bemerkenswert ist, dass sich heute beide Seiten des aktuellen Verfassungskonflikts in Israel auf denselben Vers berufen.
Recht und gerechtes Urteil, Gerechtigkeit und rechtschaffenes Handeln
Der Prophet Jeschajahu wirkte im 8. Jahrhundert v.d.Z. in Jerusalem und richtete seine Botschaft an eine Gesellschaft, die nach seiner Auffassung von Korruption, Machtmissbrauch und sozialer Ungerechtigkeit geprägt war. Jeschajahu kündigte nicht den Untergang Israels an, vielmehr beschrieb er den Weg seiner Erneuerung. Nicht militärische Stärke. Nicht politische Macht. Nicht wirtschaftlicher Wohlstand. Sondern Recht und gerechtes Urteil, Gerechtigkeit und rechtschaffenes Handeln.
Bereits hier wird sichtbar, dass Recht im jüdischen Denken niemals nur eine technische Ordnung staatlicher Institutionen darstellt. Es........
