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Braucht es die Wehrpflicht?

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Pro: »Wir alle sind aufgerufen, uns in die Gesellschaft einzubringen«, sagt Claudia B. Berger

Die Wehrpflicht sei ein ungerechtfertigter Eingriff in die persönliche Freiheit und Selbstbestimmung junger Menschen, die hierzu nicht befragt worden seien, hört man in der aktuellen Debatte häufig. Die junge Generation, über deren Lebenszeit entschieden wird, müsse die Konsequenzen der Politik vorangegangener Regierungen tragen.

Ja, die junge Generation trägt die Konsequenzen des Handelns der vorangegangenen Generation, so wie sie die Errungenschaften derselben genießt. Zu keinem der beiden Sachverhalte wurde sie befragt. Die Gesellschaft garantiert die Lebensbedingungen, ein weitgehend kostenfreies Bildungssystem, das Sozialsystem und als deren Grundbedingung die freiheitlich demokratische Grundordnung. Die Elterngeneration hat in Form der Teilnahme an Wahlen Einfluss auf die viel gerügte Politik ausgeübt.

Der Gesellschaft einen Dienst in Form einer Wehr- oder Dienstpflicht zu erweisen, ist aus meiner Sicht keine Unbill. Wenn die Debatte um die Wehrpflicht junge Menschen mobilisiert, sich aktiv in die Politik einzubringen – umso besser. Der Staat sind wir alle, und wir alle sind aufgerufen, uns in die Gesellschaft einzubringen.

Eine (derzeit nicht vorgesehene) Dienstpflicht über mindestens zwölf Monate hat nicht nur für das Gesundheitssystem, den Katastrophenschutz oder soziale Organisationen und die Bundeswehr Vorteile. Menschen, die den Dienst an der Waffe speziell in Deutschland problematisch finden, können wichtige Beiträge zur Gesellschaft leisten. Eine Verweigerung des Kriegsdienstes aus Gewissensgründen wird als generelle Verweigerung des Dienstes an der Waffe angesehen. Verweigerung des Dienstes an der Waffe nur in Deutschland ist aktuell nicht als Verweigerung aus Gewissensgründen anerkannt.

Da der Dienst an der Waffe eine höhere Gefährdung im Fall von Landes- oder Bündnisverteidigung bedeutet, sollte er finanziell und in seiner konkreten Gestaltung, beispielsweise über entsprechende Ausbildungen, auch attraktiver gestaltet werden. Er muss so strukturiert werden, dass Leistung sich nachvollziehbar lohnt und die Tätigkeiten sinnvoll sind – nur dann bleiben ihr diejenigen gut motivierten und ausgebildeten Soldaten, die die Bundeswehr braucht, über die Wehrpflicht hinaus erhalten.

»Eine mutige Politik würde eine Wehrpflicht für Frauen, Männer und sich als divers Definierende einführen.«

Die Alternative, nicht rasch wieder verteidigungsfähig zu werden, hätte im Fall von Landes- oder Bündnisverteidigung nach einer Teilmobilmachung........

© Juedische Allgemeine