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Als Bayern gegen Prag verlor

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11.01.2026

Was müssen sie nervös gewesen sein, als dieser Brief bei ihnen eintraf! In München, ja, da hatten sie sich in den ersten Monaten ihrer Vereinsgeschichte schon einen guten Ruf erspielt, die Fußballer vom FC Bayern. Aber gegen den Deutschen Fußball-Club Prag (DFC), diesen legendären jüdischen Verein, waren sie nun wirklich ein Nobody.

Ausgerechnet diese Prager luden sie jetzt ein zu einem Kräftemessen. Höflich war das Schreiben formuliert, und so machten sie sich auf den 350 Kilometer langen Weg von München in die böhmische Metropole zu ihrem ersten Auslandsspiel. Es war Dezember im Jahr 1900, und tatsächlich sollte der FC Bayern München eine krachende Niederlage kassieren – mit 0:8 endete seine Premiere auf der internationalen Bühne.

Heute steht Thomas Oellermann an der Stelle, wo sich die beiden Mannschaften vor 125 Jahren zum ersten Mal begegneten. Er ist begeisterter Fußballer und hat vor einigen Jahren mit Freunden den DFC wieder ins Leben gerufen, der seit seiner Auflösung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938 schon fast in Vergessenheit geraten war. »Der Fußballplatz lag ziemlich genau da vorn«, sagt Oellermann und deutet mit der Hand vage in Richtung des Landwirtschafts-Museums, dessen klobiger Bau sich auf der einstigen Brachfläche erhebt.

Inzwischen befindet sich hier auf der Anhöhe über der Prager Altstadt und direkt neben dem Letná-Park eine der begehrtesten Wohnlagen der Stadt; damals war es ein Außenbezirk, in dem es einen Schlachthof gab, die Messehalle und drei Fußballplätze, die mit Bretterzäunen voneinander abgetrennt waren. Ein Platz gehörte Slavia Prag, ein weiterer Sparta Prag und der dritte dem DFC.

Und ebendort fand die Begegnung mit dem FC Bayern München statt – »ein paar Fans waren wohl dabei«, hat Thomas Oellermann rekonstruiert, »aber eher durch Zufall: Kurz zuvor spielte nämlich direkt nebenan Slavia Prag gegen First Vienna FC, das waren beides klangvolle Namen. Den FC Bayern kannte damals niemand, aber wenn die Zuschauer schon da waren, sind sie eben anschließend auch noch für das zweite Spiel geblieben«.

Wie genau diese Partie ablief, lässt sich heute nur noch lückenhaft nachvollziehen. Zwei deutschsprachige Zeitungen berichteten darüber,........

© Juedische Allgemeine