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»Jetzt wird es sich zeigen«

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02.01.2026

Er wollte 1997 eigentlich nur kurz nach Berlin kommen. W. Michael Blumenthal war gerade pensioniert, hatte eines seiner Bücher fertig geschrieben, und Deutschland brauchte ihn. Das Jüdische Museum stand auf der Kippe, noch bevor es eröffnet wurde. Es fehlten Geld und Ideen. Da reiste er eben aus den USA an, organisierte neue Gelder und förderte ein revolutionäres Ausstellungskonzept: Jüdische Geschichte in Deutschland ist nicht nur Vertreibung, Elend und Mord, sondern war lange Zeit auch das harmonische Miteinander mit einer besonders kreativen Minderheit.

»Das ist an sich ein Wunder«, schwärmt Blumenthal noch heute, »nie waren mehr als ein Prozent der deutschen Bevölkerung Juden – ein Prozent! Und trotzdem haben sie, ob es in der Musik, ob es in der Technik, ob es in den Medien, im Einzelhandel, im Bankwesen war, überall doch einiges geleistet und beigetragen. Noch heute wissen die meisten Deutschen das gar nicht. Wenn Sie durchs KaDeWe gehen – das waren Ideen von Juden, die das erste Mal so ein Warenhaus gebaut haben, oder wenn Sie Elektronik von AEG sehen – das war ein Jude, der so etwas aufgebaut hat.«

Eigentlich wollte Blumenthal nur für 18 Monate kommen, um dem neuen Museum ein bisschen zu helfen. Am Ende aber war er 15 Jahre Direktor eines Hauses, das nicht nur den Blick der Deutschen auf die Juden verändert hat,........

© Juedische Allgemeine