Es dauerte ein bisschen, bis der Südwestrundfunk sich gesammelt hatte. Am Montagabend aber war die Erklärung, wie im Fall von Helen Fares zu handeln sei, abgestimmt. Man habe sie, teilte der Sender mit, von ihren Aufgaben als Moderatorin der Sendung „Mix Talk“ entbunden.

Fares hatte auf Instagram zum Boykott von Unternehmen aufgerufen, die Verbindungen nach Israel haben. Sie hatte sich schon zuvor mit antisemitisch grundierten Äußerungen hervorgetan. Ihr jüngster Beitrag war auf heftige Kritik gestoßen.

Man habe Fares darauf hingewiesen, dass für „Moderatoren eines Debattenformats zum Schutz der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Sendung eine Pflicht zur Neutralität gelte“. Diese Neutralität habe sie in ihren Social-Media-Aktivitäten vermissen lassen, schreibt der SWR. Darauf hatten zuvor der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und frühere Grünen-Politiker Volker Beck und die CDU-Politiker Christian Gehring, Guido Wolf und Matthias Hauer verwiesen und nach Konsequenzen gefragt.

Helen Fares indes versteht nicht, was Journalismus ist, bleibt Aktivistin und legt entsprechend nach. Auf Instagram beklagt sie sich bitterlich über ihren Rauswurf beim SWR und geriert sich unter dem Titel „German Media Silencing – But we will not be silenced“ als Opfer. Ein Artikel sei erschienen, heißt es da, der sie als antisemitisch bezeichne, weil sie Produkte von Unternehmen boykottiert, die die israelische Wirtschaft unterstützen. Es habe jedoch nichts mit Antisemitismus zu tun, wenn man Produkte eines Unternehmens ablehnt, „das ein Land unterstützt, gegen das ein Verfahren wegen Völkermordes vor dem Internationalen Gerichtshof läuft, weil es Zehntausende von Menschen abgeschlachtet hat“.

Ihr Arbeitgeber, der SWR, „ein deutscher öffentlich-rechtlicher Fernsehsender, der Meinungsfreiheit beschützen sollte“, habe sie hinausgeworfen, weil er es nicht aushalten konnte, dass „rechtsgerichtete Menschen“ Briefe schickten und ihren Rauswurf forderten. In Deutschland trieben „rechte Trolle“ ihr Unwesen. An ihre Community richtet sie die Frage, wie man weiter vorgehen solle.

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In den Augen von Helen Fares sind ihre Kritiker also „rechte Trolle“. Ihre Rede unterstreicht, dass der SWR gut daran tut, eine Aktivistin, die nichts als ihre Agenda im Sinn hat, nicht mehr zu beschäftigen. Von der Kollegin Sarah Schneider, die beim Onlinenetzwerk „funk“ von ARD und ZDF das Format „Auf Klo“ präsentiert, bekam Helen Fares für ihre Brandrede übrigens Applaus: „I stand with you.“ Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk besteht in Fragen des Antisemitismus offenbar weiterhin Klärungsbedarf.

QOSHE - Helen Fares legt gegen SWR nach - Michael Hanfeld
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Helen Fares legt gegen SWR nach

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09.04.2024

Es dauerte ein bisschen, bis der Südwestrundfunk sich gesammelt hatte. Am Montagabend aber war die Erklärung, wie im Fall von Helen Fares zu handeln sei, abgestimmt. Man habe sie, teilte der Sender mit, von ihren Aufgaben als Moderatorin der Sendung „Mix Talk“ entbunden.

Fares hatte auf Instagram zum Boykott von Unternehmen aufgerufen, die Verbindungen nach Israel haben. Sie hatte sich schon zuvor mit antisemitisch grundierten Äußerungen hervorgetan. Ihr jüngster Beitrag war auf heftige Kritik gestoßen.

Man habe Fares darauf hingewiesen, dass für „Moderatoren eines Debattenformats zum Schutz der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Sendung eine Pflicht zur Neutralität gelte“. Diese........

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