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Leo XIV., der Missionar

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Ein Jahr Papst : Leo XIV., der Missionar

Vor einem Jahr wurde Leo XIV. zum Papst gewählt. Bei seiner jüngsten Afrikareise traf seine Botschaft von Frieden und Gerechtigkeit auf begeisterte Gläubige.

Hätte man vor knapp einem Jahr anhand formaler Kriterien gefragt, wer von den 135 Kardinälen im Konklave am besten geeignet sei, die Nachfolge von Papst Franziskus anzutreten, wäre Robert Francis Prevost die Antwort gewesen. Der Angehörige des Augustinerordens stammt zwar aus den USA, hat aber rund die Hälfte seines erwachsenen Lebens in Peru zugebracht, zunächst als Missionar, später als Ortsbischof.

Als Generalprior seines Ordens lernte er buchstäblich die ganze Welt kennen: Reisen in fast vier Dutzend Länder auf allen Kontinenten sind in den zwölf Jahren seiner Amtszeit verbürgt. Als Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe, seine letzte Verwendung in der Kurie vor seiner Wahl ins Papstamt, setzte er seine umfangreiche Reisetätigkeit fort.

Mit damals 69 Jahren hatte Prevost das richtige Alter: Er war nicht so alt wie seine unmittelbaren Vorgänger Franziskus und Benedikt XVI., aber auch nicht so jung wie Johannes Paul II. Er konnte eine Dissertation in Kirchenrecht vorweisen, Erfahrung als Leiter einer wichtigen Kurienbehörde und vor allem als Priester und als Bischof.

Schließlich war er polyglott, sprach die vatikanische Lingua franca Italienisch ebenso behände wie Englisch und Spanisch, dazu passabel Französisch. Mit einem Wort, die Kardinäle wählten einen bestens qualifizierten Kirchenmann mit Welterfahrung an die Spitze der Weltkirche.

Vor kurzem ist Leo XIV. von einer elftägigen Afrikareise zurückgekehrt. Nach eigener Auskunft hätte er die Reise gerne bereits in den ersten Monaten seines Pontifikats unternommen. Doch zuerst musste er nach seiner Papstwahl am 8. Mai das gewaltige Programm des Heiligen Jahres 2025 in Rom absolvieren, dazu den noch von Franziskus geplanten Besuch in der Türkei und in Libanon nachholen.

Nirgendwo sonst wächst die Weltkirche so schnell

Auf keinem Kontinent wächst die Weltkirche so schnell wie in Afrika. Derzeit leben dort rund 288 Millionen Katholiken, das sind zwei Millionen mehr als in Europa, wo die Zahl der Katholiken seit Jahren leicht zurückgeht. In Afrika kommen jedes Jahr mindestens sieben Millionen hinzu. Auch beim Wachstum der Zahl von Priestern und Ordensfrauen sticht der Kontinent heraus: Jährlich kommen jeweils rund drei Prozent hinzu, während anderswo immer weniger junge Menschen eine solche Berufung wahrnehmen.

Die Reise nach Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea war die Reise eines Missionars im Papstamt. Die ersten Tage wurden noch vom Streit mit US-Präsident Donald Trump über den Irankrieg überschattet. Doch bald wurde deutlich, dass der erste Ordensmissionar der Neuzeit auf dem Stuhle Petri dies auch im Papstornat bleiben will: Er verkündet aller Welt das Evangelium, die frohe Botschaft des Friedens und der Nächstenliebe, die der Sohn Gottes den Menschen gebracht hat.

Und wo könnte er das besser tun als in Afrika, wo dem Hirten die Glaubensfreude seiner Herde, die in Europa und Nordamerika zu ersterben droht, so überbordend entgegenschlägt? Es schien, als schöpfe der Papst bei seiner kräftezehrenden Tour vom Maghreb bis zu den Tropen seinerseits Energie aus dem enthusiastischen Empfang, der ihm überall bereitet wurde. Bei der spezifisch afrikanischen Form der Inkulturation, mit rhythmischen Gesängen und traditionellen Tänzen, fühlte sich der Papst so zu Hause wie einst als Padre Roberto im Norden Perus.

Der Friedensappell galt nicht in erster Linie Trump

Leos Aufrufe zum Frieden, zu einem entwaffneten und entwaffnenden Frieden, galten in erster Linie den örtlichen Gewaltherrschern und Warlords und erst in zweiter dem Globalkonflikt im Nahen Osten. Sein Lobpreis Christi als Hoffnung für alle, die unter Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Ausbeutung leiden, war konkret an die Augen und Ohren derer gerichtet, die ihn bei Freiluftmessen und Friedenstreffen verfolgten. Und nicht an das abstrakte Publikum der globalisierten Welt.

Der Missionar muss auch im Zeitalter des Internets in die Welt hinausgehen, um seine Liebe zu den Armen zu zeigen, um jenen nahe zu sein, die keine Macht und kein Ansehen haben.

„Christus hört den Schrei der Menschen und erneuert unsere Geschichte, indem er uns nach jedem Fall wieder aufrichtet, uns in jedem Leid tröstet und uns in unserer Mission bestärkt“, so der Papst bei einer Eucharistiefeier mit 60.000 Gläubigen in Saurimo, einer Bergbaustadt im Nordosten Angolas, wo sich eine der größten Diamantenminen der Welt befindet.

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„Wir sehen heute, dass viele Sehnsüchte der Menschen von Gewalttätern zunichtegemacht werden. Wenn Ungerechtigkeit die Herzen verdirbt, wird das Brot aller zum Besitz einiger weniger“, sagte der Papst und setzte dem die Botschaft des Evangeliums entgegen.

„Jede Form von Unterdrückung, Gewalt, Ausbeutung und Lüge leugnet die Auferstehung Christi, jenes höchste Geschenk unserer Freiheit“, so der Missionar der Frohen Botschaft und der Befreiung des Menschen durch den Erlöser.

Matthias RübPolitischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

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