Altersermäßigung für Lehrer gehört abgeschafft
Weniger Unterricht mit 55 : Altersermäßigung für Lehrer gehört abgeschafft
Hessische Lehrer müssen nach ihrem 55. Geburtstag weniger unterrichten. Dass ihre Verbände an diesem Privileg festhalten, scheint nicht einmal die Opposition zu beeindrucken – aus guten Gründen.
In dem aufsehenerregenden Streit über Einsparungen an integrierten Gesamtschulen in Hessen haben die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Teile der Opposition ein weiteres Mal Hand in Hand gearbeitet. Eine solche konzertierte Aktion ist durch die geplante Verschiebung der sogenannten Altersermäßigung für Lehrer nicht ausgelöst worden. Bislang müssen sie nach der Vollendung des 55. Lebensjahrs in der Regel eine Wochenstunde weniger Unterricht geben. Künftig soll das erst vom 60. Lebensjahr an gelten. Dafür fällt dann nach den Vorstellungen der schwarz-roten Koalition schrittweise mehr Unterricht weg. Von 64 Jahren an sollen es 3,5 Stunden in der Woche sein.
Dagegen haben pünktlich zur Einbringung des Gesetzentwurfes alle Lehrerverbände in seltener Eintracht scharf protestiert. Die Opposition aber machte sich diese Position jedenfalls in der ersten Lesung des Landtags nicht zu eigen. Offensichtlich geht es hier um eine kaum zu vermittelnde Errungenschaft eines einzelnen Berufsstandes.
Die Arbeitszeit soll nicht sinken
Sie schütze die Gesundheit der Beschäftigten und halte sie davon ab, sich vorzeitig pensionieren zu lassen, heißt es. In einer Verlautbarung der GEW wird der Eindruck erweckt, als bedeute der Wegfall von Unterrichtsstunden eine Reduzierung der Arbeitszeit. Diese Sichtweise entspricht hoffentlich nicht der Realität in den Schulen. Wie in anderen Bundesländern, so gilt auch in Hessen, dass die Streichung von Unterrichtsstunden und die dadurch wegfallende Vor- und Nachbereitung einen Freiraum ergeben, der durch andere Tätigkeiten gefüllt werden muss. Die Wochenarbeitszeit soll nicht sinken.
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Plausibel ist die bisherige Regelung nicht. Denn sie gilt gegenwärtig nicht nur für Lehrer, die sich im Alter von 55 Jahren schwer damit tun, sich im harten Alltag vor der Klasse zu bewähren, sondern auch für die zahllosen gleichaltrigen Kollegen, die darunter nicht leiden oder ihren Beruf sogar gern in der Klasse ausüben. Gerade in Zeiten des Lehrermangels ist es absurd, diese wertvollen und dringend benötigten Kräfte weniger unterrichten zu lassen. Wem die Berufsjahre so zugesetzt haben, dass er sich mit dem Unterricht schwertut, der benötigt medizinische Hilfe.
Die Altersermäßigung ist ein dysfunktionales Instrument, das eigentlich vollständig abgeschafft gehört. Indem die Lehrerverbände auch in Zeiten, in denen die Gesellschaft auf das Äußerste belastet ist, schon eine maßvolle Modifizierung massiv ablehnen, erfüllen sie vielleicht die Erwartungen ihrer Mitglieder. Aber mit der Haltung, die sich dahinter verbirgt, sind sie ihren Schülern kein Vorbild.
Ewald HetrodtKorrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Wiesbaden.
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Wiesbaden.
