Sachsen-Anhalt wählt: Die AfD wird sich an der Macht nicht entzaubern
In dieser Woche werden sich viele Augen in Deutschland auf Sachsen-Anhalt richten. Am 6. September sind dort 1,7 Millionen Menschen aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. Umfragen zufolge kann die AfD ein Rekordergebnis einfahren, womöglich an der absoluten Mehrheit kratzen, in einem extremen Szenario sogar künftig den Ministerpräsidenten stellen.
Selten war eine Landtagswahl derart bundespolitisch aufgeladen wie diese. Die AfD versteht es, aus multiplen Krisen und Defiziten politisch Kapital zu schlagen. Russlands Krieg gegen die Ukraine, die damit verbundenen Folgen, die nur langsam wachsende Wirtschaft, Integrationsprobleme – immer suggeriert die AfD, es gäbe einfache Antworten auf große Probleme und Umbrüche.
Sie beschwört ein wirtschaftlich, sozial und innenpolitisch stabiles Gestern, das es so oder so ähnlich niemals gab. Will sie ausgerechnet zurück in die Ära der von ihr verhassten Angela Merkel? In die rot-grünen Jahre mit zeitweise mehr als 20 Prozent Arbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt? In die DDR? Oder gar in noch düstere Zeiten?
Daniel Friedrich Sturm ist politischer Chefkorrespondent und gehört der erweiterten Chefredaktion des Tagesspiegels an. Er sagt: Die AfD agiert längst nach dem Drehbuch von US-Präsident Donald Trump, ihrem Vorbild.
Immer öfter ist das Argument zu hören, die AfD müsse nur einmal regieren, etwa mit Ulrich Siegmund den Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt stellen, um sich sogleich zu „entzaubern“. Die „Brandmauer“ sei der........
