We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Die es mit den Fakten nicht so genau nimmt

4 0 0
14.06.2019

Man kann sich vorstellen, wie ein reguläres White House Press Briefing bei der Nachrichtenlage verlaufen wäre. Sofern es diese täglichen Informationen für die Medien im Presseraum der US-Machtzentrale noch gäbe. Donald Trump hat angekündigt, dass er "Informationen aus dem Ausland über meine Gegner" – gemeint ist schmutzige Wahlkampfmunition – selbstverständlich verwenden würde. Und dass Sarah Huckabee Sanders, seine loyale Sprecherin, ihren Job aufgibt.

Trump hat sie mit einem herzlichen Tweet verabschiedet, der unfreiwillig zweigt, welche Herausforderung es ist, für diesen Präsidenten zu sprechen und seine Kommunikation zu erklären. "Nach dreieinhalb Jahren wird unsere wundervolle Sarah Huckabee Sanders das Weiße Haus zum Ende des Monats verlassen und in ihren großartigen Heimatstaat Arkansas zurückkehren."

Tagesspiegel Morgenlage

Der Überblick über die Themen des Tages aus Politik und Wirtschaft, z.B. von Maria Fiedler

Kostenlos bestellen

Dreieinhalb Jahre im Weißen Haus? Trump ist im Januar 2017 dort eingezogen, vor nicht ganz zweieinhalb Jahren. Sprecherin ist Sanders seit 23 Monaten, davor arbeitete sie im Team ihres unglücklich agierenden Vorgängers Sean Spicer. In einem Presse-Briefing am Folgetag, das kann sich jeder vorstellen, der mit den früheren Abläufen vertraut ist, hätten Fragen zur Wahlkampfmunition aus dem Ausland und zur Kriegsgefahr im Persischen Golf nach den Angriffen auf zwei Handelsschiffe dominiert.

Aber die Sprecherin wäre auch mit Nachfragen konfrontiert worden, wie man denn den Tweet des Präsidenten einzuordnen habe. Hat er sich vertippt? Kommt ihm die Zeit im Weißen Haus so lang vor, dass er sich um ein ganzes Jahr vertut? Hat sie mit ihm über den Fehler gesprochen – und was sagt er dazu? In immer neuen Varianten hätten die White-House-Reporter versucht, an ein Zitat zu kommen, aus dem sich eine Geschichte machen lässt.

Gewiss doch, viele hätten so eine Story vermutlich gerne in der Zeitung gelesen oder im Radio gehört. "Haste schon gehört, was der Trump da wieder von sich gegeben hat?" Einerseits. Andererseits hat der Trend, solchen Geschichten eine ähnliche Bedeutung beizumessen wie den News von weit größerer Tragweite – Kriegsgefahr am Golf, fragwürdige und womöglich illegal beschaffte Munition für den nächsten Präsidentschaftswahlkampf – zu der Entscheidung des Weißen Hauses beigetragen, für diese Art Briefings nicht die Zeit der Sprecherin zu opfern. Sie soll sich statt dessen gezielt um die Nachfragen von Medien kümmern, die aus Sicht der Regierung mehr Substanz und Seriosität haben.

Die an eine Abschaffung grenzende Ausdünnung der offiziellen Pressefragestunde – die "New York Times" formuliert: "Mrs. Sanders effectively killed the daily briefing" – wird untrennbar mit ihrem Namen verbunden bleiben. Früher gab es an den meisten Tagen die White House Press Briefings. Sie bestimmten den politischen Nachrichten-Rhythmus in Washington. Sie fielen aus, wenn der der Präsident eine Rede hielt. "Message Control": Kein anderer Auftritt eines Regierungsvertreters sollte davon ablenken. Oder wenn er auf Reisen war und der Sprecher mit ihm.

"Gott hat gewollt, dass Donald Trump Präsident wird"

Nach den chaotischen und konfrontativen Erfahrung mit Trumps erstem Sprecher Spicer war das White House Press Corps........

© Der Tagesspiegel