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Bloß nicht wählen zwischen Biden und Macron

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21.09.2021

Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht? Nach der Devise kommt keine konstruktive Politik zustande, weder in Europa noch global.

Deutschland braucht Allianzen mit Gleichgesinnten, mit Freunden, wenn es Freiheit, Sicherheit und Wohlstand in einer zunehmend konfrontativen Welt bewahren möchte. Doch nun bringt der Konflikt um U-Boot-Geschäfte mit Australien die beiden wichtigsten Verbündeten Deutschlands gegeneinander auf: Frankreich und die USA.

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Muss die Bundesregierung sich jetzt entscheiden, wer der wichtigere Freund ist: Emmanuel Macron oder Joe Biden? Kann sie mäßigend einwirken, vielleicht sogar vermitteln?

So wünschenswert das wäre: Wer ist dazu bereit? In einem Moment, in dem es um die Stützpfeiler deutscher Zukunftssicherung geht, steht das Land so unsortiert und kopflos da wie selten. Und wiederholt Fehler aus der Wahlzeit 2017.

Doppelte Entfremdung: von Biden und von Macron

Die Spitzenkandidaten zeigen keine Lust, sich mit Biden oder Macron zu befassen samt der Frage, wer verlässlicher ist, die USA oder Frankreich? (Die Moderator:innen der publikumswirksamen Trielle übrigens auch nicht.)

Da ist eine doppelte Entfremdung zu spüren. Biden ist nicht durch die Bank der Anti-Trump, den sich die Deutschen erhofft haben. Er trifft Entscheidungen, ohne die Europäer zu konsultieren, vom Abzug aus Afghanistan bis zum U-Boot-Geschäft mit Australien. Er behält Trumps Sanktionen teils bei und geht hart mit Migranten um. In vielen Feldern gilt „America first“ weiter.

Auch sie traten im Juni noch als Verbündete auf: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Australiens Premier Scott Morrison in...Foto: Pascal Rossignol/REUTERS

Macrons Stern strahlt auch nicht mehr so hell wie 2017, als er mit einer proeuropäischen Rhetorik die Wahl gewann und nach François Hollands enttäuschender Amtszeit Aufbruchstimmung entfachte. Die Hoffnung damals: Er werde das notorisch reformunwillige Frankreich auf Zukunft trimmen und Europas Handlungsfähigkeit gemeinsam mit Deutschland stärken, damit es ein liberales Gegengewicht zu Trump sowie zu den Autokraten in China und Russland bilden kann.........

© Der Tagesspiegel


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