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Widerstand | Zwischen Stasi-Verfolgung und Freiheitsdrang: Die Punk-Frauen der DDR

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Auf den Fahndungsfotos der Stasi zieht sich ein dunkler Haarkranz durch Kims im Nacken ausrasierte blonde Mähne. Ein großer Ohrring und ein trotziger Blick, mehr fällt nicht auf. Während sich im Berlin oder Leipzig der Gegenwart niemand nach einer jungen Frau in diesem Look umdrehen würde, war ihre Erscheinung in der DDR ein Verbrechen. In Kims Stasi-Akte wird sie als „Extrem-Punker und Punk-Inspirator einer negativ-dekadenten jugendlichen Vereinigung“ bezeichnet.

Sie sei schon als Kind anders als die anderen gewesen, gibt die heute 61-Jährige in Geralf Pochops Text-Bild-Band Tanz auf dem Vulkan zu Protokoll. Die Schule fand sie blöd, stattdessen hatte es ihr die Musik aus dem Westen angetan: Bob Dylan, Janis Joplin, Tina Turner und Bob Marley, das sei ihre Musik gewesen. Songs, die Haltung verlangen. „Ich war schon kritisch gegenüber Vorschriften. Alles kotzte mich an. Ich wollte mehr Freiheit, mehr ich sein dürfen!“ Doch wer mehr Freiheit in der DDR wollte, musste mit Repressalien rechnen, „nicht nur von Polizei oder Stasi, sondern auch von den Menschen auf der Straße“. Also galt es, sichtbar Stellung zu beziehen. Auf ihrer Jacke trug sie eine Botschaft: „Nur wer sich bewegt, hört seine Ketten rasseln.“

Die Ketten rasselten bald regelmäßig. Immer wieder wurden Kim und ihre Freunde festgenommen und verhört, lange vor der Wende sorgten sie mit ihrem bloßen Erscheinungsbild dafür, dass die ersten Risse in der bürgerlichen Fassade der DDR-Diktatur sichtbar wurden. Jetzt, 36 Jahre nach dem Ende der DDR, ziert Kim das Cover eines........

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