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Hitlerisiert | „Hitler übersetzen“ von Olivier Mannioni: Sümpfe von Hass, Missgunst und Groll

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31.03.2025

Vor mehr als zehn Jahren erschien Timur Vermes’ Satire Er ist wieder da, in der Adolf Hitler mitten in Berlin auftaucht und als TV-Demagoge die Gegenwart auf den Kopf stellt. Die später verfilmte Farce fällt einem auf den ersten Seiten von Olivier Mannonis Essay Hitler übersetzen ein, weil dort erst ein gegenteiliges Szenario in Erinnerung gerufen wird. „In unserem Büro hat sich etwas verändert. Es ist etwas verschwunden, doch unmöglich zu wissen, was. Ich brauche ein paar Minuten, um es herauszufinden: ‚Er‘ ist nicht mehr da. Oder genauer: Er kehrt mir buchstäblich den Rücken zu. Weil meine Frau seine Anwesenheit nicht mehr erträgt, hat sie die Bücher, auf denen sein Name in fetten Druckbuchstaben steht, so gestellt, dass jetzt ihr Vorderschnitt zu sehen ist.“

Mit „Er“ ist Adolf Hitler gemeint, der 2013 für einige Jahre ins Arbeitszimmer des französischen Übersetzers einzog. Mannoni hatte vom renommierten Verlag Fayard den Auftrag bekommen, Hitlers Mein Kampf für eine kritische Ausgabe mit historischem Apparat zu übersetzen. Damals waren die Urheberrechte an dem Pamphlet erloschen, auch in Deutschland erschien eine viel diskutierte kommentierte Ausgabe. Fast ein........

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