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Biodiversität | Lupinen auf Island: Sie blüht hier nur für Instagram

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18.12.2025

Erst als riesige Gebiete von Island sich lila zu färben begannen, verstanden die Behörden, dass sie einen Fehler gemacht hatten. Da war es aber schon zu spät. Die aus Alaska stammende Nootka-Lupine hatte die Hänge der isländischen Fjorde überzogen, Berge, Lavafelder, Graslandschaften und Schutzgebiete bedeckt. Seit ihrer Einführung nach Island in den 1940er Jahren hat sie sich ungeplant zu einem Nationalsymbol entwickelt. Scharen von Touristen und Einheimischen posieren im Juni und Juli für Fotos in den sich immer weiter ausbreitenden Feldern, verzaubert von den zarten Blütenkegeln, die die nordatlantische Insel bedecken.

„Die Touristen lieben es. Sie kommen extra zur Zeit der Lupinen-Blüte. Die Blüten sind Teil von Islands Image geworden, insbesondere im Sommer“, erzählt der Fotograf Leszek Nowakowski, der aus der Nähe von Islands Hauptstadt Reykjavik stammt. „Wenn Leute zu einem Wasserfall oder einem Gletscher wandern, möchten sie auf Fotos zwischen Blumen stehen. Die Wirkung ist episch.“ „Einmal“, erzählt Nowakowski, „wollte ein Mann, dass ich ihn bei seinem Heiratsantrag im Lupinenfeld mit dem Wasserfall im Hintergrund fotografiere.“

Doch trotz des jährlichen Ansturms, um Fotos zu schießen, ist die Meinung der Isländer zu den Blumen gespalten – und Wissenschaftler machen sich zunehmend Sorgen, dass sie eine Bedrohung darstellen.

Ursprünglich wurden die Lupinen eingeführt, um der Erosion der dunklen Vulkanböden des Landes entgegenzuwirken. Bei heftigem Wind und starken Regenfällen wurde jedes Jahr eine riesige Menge Mutterboden in den Atlantik gespült – ein Problem, das bis heute besteht: Zwei Fünftel der Landesfläche Islands sind........

© der Freitag