menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Rangnick und seine Kritiker: 6 Vorwürfe im Check

13 0
previous day

Die Nationalmannschaft kann es dem Land gerade nicht recht machen, obwohl sie ein historisches Hoch hat. Die WM wurde als Flop gebrandmarkt. Die Qualifikation: eine bloße Pflicht! Auch die 3:1-Siege zuletzt gegen Israel und Kosovo standen in der Kritik. Herbert Prohaska sprach von „Riesenglück“ und „Problemen“. Hans Krankl monierte, ihm habe das „Scheppern“ gefehlt. Andreas Herzog warnte, „im Durchschnitt“ zu versinken. Und Marko Stanković forderte trotz vieler Ausfälle „den nächsten Step, damit wir einfach noch besser werden“.

Für dich interessant: Yusuf Demir exklusiv: Was wurde aus dem Fußball-Wunderkind?

Was ist dran an der Kritik? Eine Analyse der sechs beliebtesten Vorwürfe.

Kritik 1: Die WM war ein Flop

„Wir brauchen nicht darüber reden, dass die WM ein richtiger Erfolg war, das ist sie nicht“, kritisierte Herzog.

Damit liegt er zumindest den nackten Zahlen nach falsch. Erste WM seit 28 Jahren, erste K.O.-Phase seit 44 Jahren. Was will man mehr? Wo Herzog recht hat: Die Leistung war weniger berauschend als bei der EM.

Viele hatten den Gruppensieg vor Frankreich und den Triumph gegen die Niederlande 2024 vor Augen. Nun aber folgten keine ähnlich starken Auftritte. Ein Grund: Österreich zählte bei der WM zu den ältesten Teams. Stars wie Arnautović, Alaba, Gregoritsch oder Mwene waren weit über 30. Wenige Monate zuvor hatte mir Peter Pacult in einer TV-Runde noch erklärt: Rangnick habe deshalb mehr Erfolg als Vorgänger Foda, weil die Spieler nun älter und erfahrener seien. Bei der WM zeigte sich: Das Gegenteil stimmt. Rangnicks laufintensiver Stil funktioniert besser mit jungen, schnellen, hungrigen Kickern (was zuletzt auch in der Nations-League deutlich wurde). In den USA aber musste er vermehrt auf Alterserscheinungen seiner arrivierten Stars Rücksicht nehmen.

Dennoch: Auch eine junge Österreich-Truppe hätte im Sechzehntelfinale gegen taktisch bärenstarke Spanier nicht gewonnen. Die wurden nämlich mit nur einem Gegentor in acht Spielen Weltmeister.

Kritik 2: Rangnicks Spielstil „Schnee von gestern“

Bloßes Pressing und Bälle jagen sei „Schnee von gestern“, erklärte Herzog in der Presse. „Damit waren wir zwar erfolgreich, aber der Fußball hat sich weiterentwickelt.“ Spanien etwa würde ganz anders auftreten: „Da geht es um Spielintelligenz, Räume erkennen, Supertechnik, Positionsspiel und Passspiel“.

Nun ja. Tatsächlich hätte Rangnicks Pressing vor Jahren noch besser funktioniert (weil es auf Nationalteamebene kaum einer spielte und Österreich die perfekten Spieler im besten Alter dafür hatte), aber da versteifte sich der ÖFB jahrelang auf defensiven Fußball unter Franco Foda. Rangnick zeigte, dass es besser geht – mit dem Höhepunkt EM 2024. Gegner waren damals noch überrascht und überfordert. Nun aber stellten sich die meisten darauf ein. Oder spielen es selbst. Wie Weltmeister Spanien, der nicht nur, wie fälschlicherweise oft angenommen, spielerisch überzeugte, sondern mit perfektem Gegenpressing.

Pressing ist daher nicht „Schnee von gestern“. Im Gegenteil: Es ist im Mainstream angekommen, weshalb für Österreich der einst große Wettbewerbsvorteil schwindet. Eine Abkehr davon wäre trotzdem nicht ratsam. Die letzten Spiele zeigten, dass dieser Stil Österreich weiterhin entgegenkommt und als........

© Wiener Zeitung