Stalker-Brillen
Es gab ein kurzes Zeitfenster, in dem das Internet Spaß machte, erinnerst du dich noch? Es war irgendwann Anfang der 2010er, als Windows Vista überstanden war, Betriebssysteme sicherer wurden und man auf Instagram Fotos seiner Freunde zu sehen bekam – inklusive ihrer Katzen und ihres Mittagessens. In Ein-Slide-Posts, versteht sich. Als Instagram noch nicht von Facebook gekauft wurde. Als wir noch nicht mit AI-Slop zugeballert wurden, es keine Deepfakes gab und keine KI-gebaute Malware. Als man auf Google noch Suchergebnisse erhielt und nicht eine KI, die einem erklärt, dass die Hauptstadt von Italien Paris ist. Als man seinen Augen noch trauen konnte und nicht bei jedem Foto und jedem Video, das man zu Gesicht bekam, davon ausgehen musste, dass es genauso gut ein Fake sein könnte. Als man noch durch die Stadt oder ins Schwimmbad gehen konnte und nicht bei jedem Typen mit Brille daran denken musste, dass er einen vielleicht gerade ohne Einverständnis filmt und dann die Aufzeichnung nutzt, um Deepfakes daraus zu basteln, das Video auf Social Media hochzuladen oder einen zu googeln und dann am nächsten Tag vor der Haustür zu stehen. Oder all diese Dinge nacheinander.
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Risiken und Nebenwirkungen
Aktuell sind wir mit einer Reihe von sich exponentiell weiterentwickelnden technischen Revolutionen konfrontiert, die handfeste Sicherheitsrisiken für uns alle bedeuten, aber für Frauen, wenig überraschend, in einem speziellen Ausmaß.
Da ist zum einen Künstliche Intelligenz. Dass sie und die mit ihr einhergehenden Datencenter aus ökologischer Perspektive eine katastrophale Entwicklung darstellen, hat sich mittlerweile rumgesprochen. Dann ist da das Problem, dass viele Menschen derzeit ihre Jobs verlieren, weil sie durch KI wegrationalisiert wurden (mit teils desaströsen Ergebnissen).
Dass genau das aber gesamtökonomisch zu einem Super-GAU führen kann, vor allem wenn es keine kompetenten politischen Antworten gibt, ist ein Problem, in das wir gerade sehenden Auges laufen, und das noch nicht ausreichend diskutiert wird. Die Gefahr lässt sich mit folgendem Beispiel erklären: Sagen wir, du stellst T-Shirts her. Sagen wir, für die Herstellung und die Gestaltung dieser T-Shirts hast du eine Reihe von Mitarbeiter:innen eingestellt, die die Designs erstellen, die sie färben, bedrucken oder verpacken. Sagen wir, irgendwann wird ein Tool eingeführt, das all diese Beschäftigten überflüssig macht – es kann all das nämlich gratis und schnell –, ohne Arbeitsrechte zu fordern, ohne einen Arbeitsplatz zu brauchen, ohne eine Obstschale zu wollen und ohne Lohnnebenkosten. Sogar das freundliche tägliche „Guten Morgen“ kannst du dir sparen. Du kündigst also deine Mitarbeiter:innen, die mit den Arbeitsrechten und der Obstschale und dem „Guten Morgen“.
Leider........
