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Reduziert Euch!

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03.01.2026

Vor einigen Jahren noch tanzte (die zwischenzeitlich erschlankte) Lizzo über die Bühne und sang darüber, wie sie sich in ihrem dicken Körper „Good as Hell“ fühlte. (Die zwischenzeitlich erschlankte) Meghan Trainor sang in All about that Bass „I am bringing booty back“ und dass sie „all the right junk in all the right places“ habe. Auf den Laufstegen der Welt fanden sich – selbstverständlich allesamt normschöne und sanduhrförmige – Plus-Size-Models, und Firmen warben mit Body-Positivity-Slogans. (Die zwischenzeitlich erschlankte) Adele war einer der größten Popstars und (die zwischenzeitlich erschlankte) Melissa McCarthy war in jeder zweiten Hollywood-Komödie zu sehen, natürlich so gut wie immer in der Rolle der lustigen Dicken, und (die zwischenzeitlich erschlankte) Rebel Wilson ebenso.

Die Body Positivity der 2010er-Jahre ging einher mit einer Reihe von Slogans und Stehsätzen, wie das Social-Justice-Bewegungen im Zeitalter von Social Media immer tun. Einer davon war die Regel, dass man keine Kommentare über Körper anderer abgeben dürfe, auch dann nicht, wenn einem das, was man sieht, irgendwie ungesund vorkommt.

Das mag auf individueller Ebene auch sinnvoll sein, insbesondere wenn man der jeweils anderen Person nicht nahesteht und wenig bis nichts über den Kontext derer weiß, die man kommentiert. Versteh mich nicht falsch: Wenn ich innerhalb kürzester Zeit sehr viel zu- oder abnehme, möchte ich darauf vertrauen, dass Menschen in meinem nächsten Umfeld das sehr wohl bemerken und ansprechen. Immerhin kann der Angelegenheit ein ernsthaftes gesundheitliches Problem – psychischer oder physischer Natur – zugrunde liegen. Fremden auf der Straße oder Fremden im Internet steht aber tatsächlich keinerlei Kommentar über meinen Körper zu – auch nicht unter dem Vorwand, sich gesundheitlich zu sorgen.

Schließlich weiß man mit einer Blickdiagnose sehr wenig über eine andere Person. Man weiß nichts über ihren physischen Gesundheitszustand, nichts über Stoffwechsel oder Blutwerte oder über etwaige Medikamenteneinnahme, die eine Zu- oder Abnahme befördert. Man weiß nichts über den psychischen Gesundheitszustand einer Person, der das Ess- und Bewegungsverhalten beeinflusst. Man........

© Wiener Zeitung